Anders als in Frankreich oder Amerika ist "rechts" gleich "pfui!" in Deutschland; das bekunden Parolen wie "Rock gegen Rechts" oder einfach nur "Gegen Rechts!". Adolf Nazi hat sich zwar nicht vermehrt, aber den Nachfahren ein "Deutschen-Gen" namens "Nie wieder!" hinterlassen.

Deshalb könnten sich Sarrazin und Steinbach, auch Clement und Merz kein Geschäftsmodell ausdenken, das rechts von der Union einen lohnenden Marktanteil verhieße. Allein die Reihung der Namen zeigt das Problem. Clement und Merz wären in den Anglo-Ländern respektable Figuren, siehe Reagan und Thatcher: "Wirtschaftsliberale", die mehr Markt und weniger Staat wollen. Diese "Rechte" aber wird kontaminiert durch die andere, die von Ressentiment, Abwehr und Geraune ("wird man wohl mal sagen dürfen") lebt. "Rechts" bleibt "bäh", wie in "NPD".

Seit Sarrazin wackelt dieses eherne Gesetz; seitdem durchzieht ein anderes Gerede die einstige Staatspartei CDU/CSU, die sich "modernisiert" und nach links bewegt hat. Demnach klaffe weiter rechts eine Marktlücke – dort, wo die Konservativen ihre Heimat verlieren. Theoretisch ist das richtig, praktisch aber nicht. Was hätte eine respektable Rechte denn anzubieten? Mehr Eigeninitiative, weniger Steuern? Damit ist die FDP schon baden gegangen – mit minus zehn Punkten in der Wählergunst. Der deutsche Mensch schätzt seinen für- und vorsorgenden Staat.

Nationalismus? In Deutschland ist selbst "Leitkultur" suspekt, und Fahneschwingen geht nur bei der WM. Konservativ im Sinne von "bewahrend"? Ironischerweise gibt es zur Linken genug Parteien, die "konservieren" oder noch mehr vom Ist-Zustand haben wollen: mehr Wohlfahrtsstaat, Regulierung, Umverteilung – hart die Linke, moderat die SPD. Der Fortschrittsglaube der klassischen Linken ist perdu.

Ironie im Quadrat: Die beste konservative Partei sind die Grünen, weshalb ihnen das neue Bürgertum zuhauf zuläuft. Sie verpönen das Wachstum; sie wollen Verkehr und Technik bremsen (es sei denn, es geht um Wind und Sonne). "Nachhaltig" ist ein anderes Wort für "konservativ". SPD und Union sind ebenfalls ergrünt, aber das Original sieht besser aus.

Was bliebe also für eine Partei rechts von der CDU, um die fünf Millionen Wähler (von 2009) einzufangen, die der Union heute die Stimme verweigern würden? Oder die 20 Prozent, die laut Forsa in die Nichtwähler-Partei geflohen sind? Womöglich wäre das Angebot ein "wertkonservatives" – ein Schutzwall gegen Individualisierung, Säkularisierung und Social Engineering, als da wären: Sprach-Tabus, Feminismus, Quoten, Schwulen-Ehe, Single-Dasein, Rückbauten und Schul-Experimente.

Manchmal gibt es dagegen Mehrheiten – doch nur punktuell, wie im Hamburger Volksentscheid gegen das schwarz-grüne Projekt des verkürzten Gymnasiums. Aber Wut im Einzelfall ergibt keine Partei – siehe die Schill-Truppe, die verschwand, als die Hamburg-CDU die Kriminalität anging. Vor allem braucht eine Partei charismatische Führer, die das alles bündeln. Die letzten dieses Typus waren Willy Brandt und Helmut Schmidt.