Die Medienriesen Bertelsmann und Springer, der Wälzlagerfabrikant Schaeffler, der Autobauer BMW – das sind vier deutsche Traditionskonzerne, in denen Frauen im Hintergrund die Fäden ziehen. Liz Mohn, Friede Springer, Maria-Elisabeth Schaeffler und Johanna Quandt haben als junge Frauen erfolgreiche, meist deutlich ältere Unternehmer geheiratet und nach deren Ableben als Erbinnen deren Lebenswerk fortgeführt. Anfangs eklatant unterschätzt, haben es diese Witwen trotz mancher Rückschläge geschafft, die Eigenständigkeit der ihnen anvertrauten Unternehmen über lange Jahre zu bewahren.

Jetzt hat ein weiterer Großer der deutschen Wirtschaft sein Haus bestellt: Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch, 73, Aufsichtsratschef in Wolfsburg, Miteigner von Porsche. Der Österreicher mit Wohnsitz Salzburg hat für den Fall seines Ablebens die Verfügungsgewalt über seinen milliardenschweren Nachlass seiner 19 Jahre jüngeren Gattin Ursula ("Uschi") anvertraut. Die ebenso charmant wie resolut auftretende Blondine soll verhindern, dass die zwölf Kinder aus vier Beziehungen Piëchs das Erbe zerstückeln. Regiert also eines Tages eine weitere bislang kaum bekannte Frau den größten europäischen Autokonzern? Wird aus Uschi eine "Konzernlenkerin", wie es manche schon hinausposaunen?

Gemach. Der Ernstfall ist nicht eingetreten. Vor allem aber: Ferdinand Piëchs Machtposition bei Volkswagen/Porsche beruht, anders als einst etwa bei Axel Springer oder Herbert Quandt, nicht primär auf dem Eigentum am Unternehmen. Lediglich knapp sieben Prozent der Porsche Holding gehören ihm persönlich, den Familien Porsche und Piëch insgesamt 40 Prozent. Wenn Volkswagen und Porsche wie geplant 2011 zu einem Konzern verschmolzen werden, kommt der Clan wohl auf etwa 35 Prozent der Stammaktien. Der Anteil von Ferdinand Piëch wäre weiterhin einstellig. Eine Erbwahrerin Uschi allein könnte damit kaum die Unabhängigkeit der Wolfsburger sichern. Da müssen auch die übrigen Porsches und Piëchs bei der Stange bleiben. Das Land Niedersachsen und Qatar kämen jeweils auf rund 20 Prozent.

Kein Zweifel, gemeinsam mit dem kongenialen VW-Konzernchef Martin Winterkorn beherrscht Ferdinand Piëch in diesen Tagen den Autoriesen. Dabei war das Erbe seines Großvaters Ferdinand Porsche für Piëch vor allem eines: Motivation. Er musste hart kämpfen, um 1993 VW-Chef zu werden. Seither musste er sich stets Verbündete suchen, um seine Ziele durchzusetzen – auch nachdem er 2002 an die Spitze des Aufsichtsrats rückte: die IG-Metall-Betriebsräte, ohne die in Wolfsburg keine wichtige Entscheidung möglich ist; die niedersächsischen Landesfürsten, von Gerhard Schröder bis Christian Wulff, die qua VW-Gesetz und Satzung Vetorechte besitzen. Letzterer, der heutige Bundespräsident, war einst als erklärter Piëch-Gegner gestartet und wurde zum Verbündeten. Mithilfe der Betriebsräte und der Politik vereitelte Piëch auch den vom Familienclan gestützten Versuch von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking , VW zu übernehmen. Piëch drehte den Spieß um.

Zimperlich war er bei der Durchsetzung seiner Interessen nie. Mit seinem Netzwerk gegenseitiger Nützlichkeit, von Wulff einst "System Piëch" genannt, hat der Porsche-Enkel bei VW auch etliche Affären heil überstanden. Seine Allianzpartner hatten ihren eigenen Vorteil. Ganz ähnlich verhält es sich mit seiner Verwandtschaft der mittlerweile rund 60 Piëchs und Porsches. Geliebt wird er von den wenigsten, aber sie profitieren von seiner erfolgreichen Strategie. Als Oberaufseher mit einem Konzernchef, der seine Autobesessenheit teilt und ihm seinen Aufstieg an die Konzernspitze verdankt, kann er heute ungestört seine Vision verfolgen – VW zum weltgrößten Autobauer zu machen.

Im Mai vergangenen Jahres gab Piëch auf Sardinien das Signal zur Demontage Wiedekings. Er fuhr im Polo vor, auf der Rückbank. Am Steuer: Martin Winterkorn. Auf dem Beifahrersitz: Uschi ("wegen der hohen Absätze"). Die einstige "Gouvernante" seiner Kinder hat großen Einfluss auf ihren Gatten und mag dereinst sein in österreichischen Stiftungen steuerfreundlich angelegtes Vermögen hüten. Es ist Tradition bei den Piëchs und Porsches, das Erbe zusammenzuhalten. Die Position des VW-Aufsichtsratschefs ist jedoch noch nicht erblich. Und da reden auch Niedersachsen, Qatarer und die eifersüchtigen Porsche-Cousins ein Wörtchen mit. Uschi mag eine starke Frau sein, aber ob sie das Machtspiel mit wechselnden Partnern so virtuos beherrscht wie ihr Mann, muss sich im Ernstfall erst noch zeigen.