"Das ist doch dieser Pfaffe!", ruft ein Demonstrant und fuchtelt mit dem Zeigefinger. "Dass der sich für so was hergibt!" Eine ältere Dame fragt: "Kann es der Wille Gottes sein, dass 282 alte Bäume gefällt werden?"
Es ist Montagabend, wieder haben sich Tausende Bürger am Hauptbahnhof versammelt, um zu schreien, zu pfeifen, zu lärmen. Gegen Stuttgart 21 , gegen die Abrissbagger hinterm Bauzaun, gegen "die da oben". Mittendrin steht Johannes Bräuchle, 62 Jahre, evangelischer Pfarrer und seit Kurzem auch Demonstrant. Nur steht er auf der anderen Seite des Protests. Bis 2005 saß Bräuchle für die CDU im Gemeinderat, er stimmte damals für die Verlegung des Bahnhofs unter die Erde und soll sich jetzt – etwa wegducken? "Feigheit liegt mir nicht", sagt er. Deshalb entwarf er am Computer ein Logo, ließ Aufkleber und Plakate damit bedrucken. "Prosit" steht drauf für "Pro Stuttgarter Tiefbahnhof". Das "i" hat er dazwischengeschoben, so viel Latein muss sein. "Es möge nützen", übersetzt der Theologe.