Es ist eine Nachricht, die die deutsche Finanzwelt überrascht hat: Die WestLB aus Düsseldorf und die BayernLB aus München prüfen bis zum Jahresende eine Fusion . Damit erhielt eine Debatte neuen Auftrieb, die seit Langem von vielen Hoffnungen und ebenso vielen Enttäuschungen geprägt ist: die Debatte über eine Konsolidierung der deutschen Landesbanken . Jeder will sie, jeder hält sie für notwendig, doch Fortschritte – Fehlanzeige. "Überfällig" nannte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) Fusionsbemühungen, sein Kabinettskollege Wolfgang Schäuble (CDU) hat für kommenden Dienstag die Finanzminister aus den Ländern zum Gespräch über die Zukunft der Landesbanken geladen. Wird also das Problem jetzt endlich gelöst? Sechs Fragen, sechs Antworten.

Warum geht es den deutschen Landesbanken so schlecht?

Die Ursachen der Misere lassen sich auf einen Punkt bringen: Niemand braucht die Landesbanken – zumindest nicht alle. Das war früher anders. Damals wickelten Landesbanken für die Sparkassen den Zahlungsverkehr und andere Geschäfte ab, für die es einer gewissen Größe bedurfte. Zudem finanzierten sie Firmen oder Infrastrukturprojekte in der Region. Längst aber sind viele Sparkassen nicht mehr auf ihre Hilfe angewiesen, für die Regionalförderung wiederum halten sich viele Länder heute eigene Förderbanken.

Bleibt das Kreditgeschäft mit den Unternehmen. Das aber ernährt nicht alle Landesbanken. Deshalb verlegten sich viele Institute aufs Zocken mit Wertpapieren, intern "Kreditersatzgeschäft" genannt. Bei der HSH Nordbank etwa belief es sich zeitweise auf mehr als 30 Milliarden Euro. Besonders wild trieb es die inzwischen verkaufte Sachsen LB: Sie war eine einzige Zockerbude praktisch ohne jede regionale Verankerung. Andere Häuser setzten auf internationale Expansion – und versenkten im Ausland Milliarden. So die BayernLB, die den Kauf der Hypo Group Alpe Adria 2007 laut feierte, die Bank später aber wieder kleinlaut an die Österreicher zurückgeben musste. Die Frage, ob öffentliche Gelder veruntreut wurden, beschäftigt in vielen Fällen bis heute zahlreiche staatliche Ermittler.

Beschleunigt hatte den Niedergang der Landesbanken ein vermeintlicher Verhandlungssieg: Als die EU im Jahr 2001 die staatlichen Garantien untersagte, die die Landesbanken damals noch genossen, handelten die deutschen Vertreter eine Übergangsfrist bis 2005 aus. Die Folge: Viele Institute sogen sich noch einmal mit billigem Geld voll, das dann angelegt werden musste. Das Wertpapiergeschäft wurde ausgeweitet und oft auch riskanter gestaltet. Besonders beliebt: Wertpapiere auf Schrottimmobilien aus den USA.

Wie viel Steuergeld steht auf dem Spiel?

Kommt drauf an, wie man rechnet. In jedem Fall aber: viel. Nimmt man die Kapitalspritzen als Maßstab, mit denen die WestLB, die BayernLB, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die HSH Nordbank in der Krise gestützt wurden, kommt man auf gut 20 Milliarden Euro, die von den Ländern oder vom Bund aufgebracht wurden. Dieses Geld hat der Staat also in die Banken investiert, und ob die Banken es je wieder zurückzahlen können, bleibt offen. Zählt man Garantien hinzu, die zusätzlich zur Absicherung gewährt wurden, stehen noch mehr Milliarden im Risiko.

Das ist nicht alles: Die WestLB hat Aktiva im Wert von 77 Milliarden Euro in eine Abwicklungsanstalt ausgelagert, die Sachsen LB 13,5 Milliarden Euro – Papiere, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören. Auch hier gilt: Lassen sich die Papiere dereinst ohne Verlust zu Geld machen, ist der Staat fein raus. Wenn nicht, muss er erneut zahlen. Vorsorglich rechnen die Statistiker die Lasten aus den Abwicklungsbanken deshalb zu den Staatsschulden hinzu.

Warum ist bisher nichts geschehen?

Es hat seine Gründe, dass BayernLB und WestLB mehrfach betonen, was anderswo eine Selbstverständlichkeit wäre: dass in ihren Gesprächen "betriebswirtschaftliche Fragen im Vordergrund" stehen. Schon vor der Finanzkrise scheiterten viele Gespräche am Stolz der Beteiligten. Es gibt kaum eine Kombination, die in den vergangenen Jahren nicht schon durchgespielt worden wäre, doch ob LBBW und WestLB, LBBW und BayernLB, WestLB und Helaba aus Hessen-Thüringen – geschehen ist nichts außer der krisenbedingten Übernahme der Sachsen LB durch die LBBW im Jahr 2007. Immer versuchten die Länder, ihre jeweilige Hauptstadt als Finanzstandort zu verteidigen.

Mehr als die finanzielle Logik eines denkbaren Zusammenschlusses spielten politische Fragen eine Rolle: Wer erhält die Mehrheit? Wer wird Chef? Und wo ist der künftige Hauptsitz? Ein weiteres Hindernis war stets, dass die Sparkassen – neben den Ländern die wichtigsten Anteilseigner – zwar Fusionen gern das Wort reden, den Landesbanken aber den Zugang zum Kleinkundengeschäft regelmäßig verweigerten. Jeder achtete also auf seine Interessen.

Im vergangenen Jahr versprachen die Länder dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), die Konsolidierung in Angriff zu nehmen. Der hoffte, über den Rettungsfonds Soffin Fusionen erzwingen zu können. Doch die Länder stützten ihre Banken lieber selbst – nur die WestLB griff auf Kapital des Bundes zurück.