Selten hat der Rücktritt eines Bankiers so große Erschütterungen ausgelöst wie der des Unicredit-Chefs Alessandro Profumo in Italien. Der 53-jährige Ökonom aus Genua stand für einen Generationswechsel im italienischen Bankwesen – und war auf der von parteipolitisch verbandelten Provinzfürsten beherrschten Bühne im Mutterland des Kreditwesens bislang der einzige Global Player. Beharrlich und unerschrocken hatte er aus Unicredit, einst nur ein Zusammenschluss kleiner regionaler Kreditinstitute, die zweitgrößte Bank Europas gemacht – mit Niederlassungen in 22 Ländern und 165.000 Beschäftigten.

Die Übernahme der Münchner HypoVereinsbank (HVB) vor fünf Jahren war sein größter Coup. Dieter Rampl, damals Chef der HVB, hatte Profumo das Institut auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Washington angedient. Die Annahme des Angebots sorgte nicht nur in München, sondern auch bei den deutschen Finanzaufsichtsbehörden für Erleichterung, war doch die HVB in akuter Gefahr, nachdem sie sich mit ostdeutschen Immobiliendarlehen verspekuliert hatte. Da kam die Hilfe aus Italien gerade recht. Rampl wurde nach dem Deal mit Profumo Verwaltungsratschef bei Unicredit und sah sich somit auf Augenhöhe mit seinem zehn Jahre jüngeren Kollegen.

Doch zusehends fühlte sich der eher bedächtige Deutsche durch die Alleingänge des selbstherrlichen Italieners brüskiert. Während der Finanzkrise, die Unicredit trotz des Engagements in Deutschland und Osteuropa bisher ohne Staatshilfe gemeistert hat, wurden die Konflikte an der Spitze zwar zurückgestellt, es ging schließlich ums Überleben der Bank.

Doch in den vergangenen Wochen stand wieder Alessandro Profumo im Mittelpunkt, der am Dienstag dieser Woche entnervt aufgab, per Brief seinen Rücktritt bekannt gab – und damit dem Rausschmiss wohl zuvorkam. Bis ein neuer Chef gefunden ist, soll Präsident Rampl das operative Geschäft leiten.

Dabei spielten nicht nur die atmosphärischen Störungen zwischen Rampl und Profumo eine Rolle. Hinter den Kulissen haben mächtige italienische Anteilseigner schon seit geraumer Zeit mit machiavellistischer Raffinesse am Sturz des Bankchefs gearbeitet.

Der wehrte sich demonstrativ gegen jede politische Vereinnahmung und weigerte sich, die übliche Klientel zu bedienen. Damit düpierte er die Granden des italienischen Bankwesens.

Als Mann ohne Seilschaften wagte es Profumo, öffentlich zu äußern, es gebe in Italien immer noch Kräfte, "die ihre Manager abrichten wollen, als wären sie Jagdhunde". Ein Seitenhieb gegen die rechtspopulistische Lega Nord, die stärkste Partei in Norditalien. "Und jetzt wollen wir eine Bank", hatten ihre Vertreter nach der letzten, gewonnenen Wahl getönt. Sie haben Sitz und Stimme in den drei mächtigen Sparkassenstiftungen, die mit zusammen knapp 12 Prozent der Anteile die einflussreichsten Aktionäre bei Unicredit sind. Unter den Anteilseignern befinden sich zudem Gefolgsleute des Premiers Silvio Berlusconi, dem der betont unabhängige Profumo schon lange ein Dorn im Auge ist. Die Berlusconianer verdächtigen den Unicredit-Bankier sogar linker Neigungen.