Einmal hat Katharina die Große, die russische Zarin, mit diplomatischer Finesse den Frieden nach Bayern gebracht. Das war 1779, im Erbfolgekrieg. Die nächste, die sie "Katarina die Große" nannten, war eine Eisprinzessin aus Sachsen, zweimalige Olympiasiegerin der DDR, Kati Witt aus Karl-Marx-Stadt, mit 22 Jahren das aufreizende Maskottchen eines untergehenden Landes.

Auch Kati Witt soll nun den Frieden nach Bayern bringen, als Ostdeutsche den Freistaat einen: Kann ihr das gelingen?

München will die Olympischen Winterspiele 2018 ausrichten, gemeinsam mit Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee. Nur fällt es der Stadt schwer, die Bevölkerung zu begeistern. Die Bewerbungsgesellschaft verschleißt einen Geschäftsführer nach dem anderen, die Bürger hadern, es fehlt Leidenschaft . Vorvergangene Woche kündigte die zentrale Figur des Projekts, Willy Bogner , ein Modeunternehmer und früherer Skifahrer, aus gesundheitlichen Gründen. Etliche Bauern aus Garmisch weigern sich beharrlich, zum Bau des Olympischen Dorfs ihr Land zu verkaufen. Das Fernsehen überträgt Debatten aus Wirtshäusern: Brauchen wir Olympia vor der Haustür? Reicht uns das nicht im Fernsehen?

Olympia 2018 ist noch kein Projekt aller Bayern und erst recht noch keines aller Deutschen. Bis zum Juli 2011, wenn die Jury des IOC entscheidet, ob die Spiele nach Südkorea, nach Frankreich oder nach Bayern kommen, möchte Kati Witt nun ein Feuer entfachen. Wenn man sie lässt.

Witt sitzt sehr weit weg von München und Garmisch, in einem Ostberliner Café in der Oranienburger Straße. Sie sieht blendend aus, 44 ist sie jetzt, doppelt so alt wie in der großen Zeit. Sie strahlt noch wie damals, wenn sie lacht. Es ist ein grelles, durchdringendes Lachen, manchmal drehen sich alle im Raum gleichzeitig nach ihr um. Sie funkelt dann wie in den Videos, die bei YouTube noch tausendfach geklickt werden: Calgary 1988, Eiskunstlauf, die bewegende Kür mit Carmen , Georges Bizets Oper auf Kufen. Der Olympiasieg, gegen Debbie Thomas aus den USA. Die Leute, die das gesehen haben, vergessen es nie.

In Berlin wird es Herbst, Witt trägt jetzt Wollpullover und Stiefel, das ist die Vorfreude. Sie sagt, sie hoffe auf Winter. Schnee schaffe Olympiastimmung. Der Winter helfe ihr und der Bewerbung.

Zwei Jahre nach dem Ende ihrer Karriere als Profitänzerin auf Eisrevues hat Kati Witt ein neues Ziel. Seit Anfang vergangener Woche ist sie oberste Repräsentantin der Münchner Olympia-Bewerbung – und damit die tragende Figur der Bewegung. All ihre Zeit will sie dafür geben, unbezahlt. Das heißt: Es ruht die Arbeit mit ihrer Eis- und Fernsehproduktionsfirma, sie pausiert als Moderatorin und bei ihrer Stiftung, die Behindertensport fördert. Kati Witt ist jetzt eine Franziska Beckenbauer der Münchner Olympiabewerbung.

"Ach ja", sagt Witt, "Franz Beckenbauer." Sie verehre ihn. "Vielleicht können wir die Olympischen Spiele so unumstritten machen wie er die Fußball-WM", sagt sie. "Zu einem Winterfest. Wir kämpfen darum, dass die Welt zu uns nach Bayern kommt. Aber dazu muss man uns nun auch mal eine Chance geben."