So beeindruckend der Aufbruch des 14-Jährigen ins Erwachsenenleben war, so schnell war er beendet: Er verließ sein katholisch-kleinbürgerliches Elternhaus, um sich dem Widerstand eines fernen Volkes gegen einen übermächtigen Aggressor anzuschließen, wurde aber schon an der Grenze seines Heimatlandes aufgegriffen und nach Hause geschickt. Auch seine Lehre endete vorzeitig: Wegen Aufsässigkeit und mangelnder Disziplin wurde er gefeuert. Trotzdem bestand er glanzvoll die Abschlussprüfung; als freier Dekorateur verblüffte er das Publikum mit spielerischen Gestaltungen aus ungewöhnlichem Material. Bereits an der Kunstgewerbeschule galt sein Interesse vor allem Materialkompositionen, allerdings auch Sprengstoffen, mit denen er seine Kreationen in die Luft jagte. Ein Jugendfreund beschrieb den jungen Mann als "schonungslosen Kämpfer", er verkehrte in anarchistischen Zirkeln und ging ohne Rücksicht auf andere seinen Weg. Mit Freundin und Freunden lebte er so lange in einem Abbruchhaus, bis sich Müll, den er in einem Zimmer aufgehäuft hatte, selbst entzündete und das Idyll in Flammen aufging. Überhaupt Frauen und Freunde: Sie waren die Würze seines Lebens, ohne ihre Ideen und ihre Mitarbeit wären viele Werke nicht entstanden.

Alles, was radikal war, konnte seiner Zustimmung sicher sein, doch war er trotz seines Flirts mit der kommunistischen Partei nie wirklich politisch aktiv. Seine Rebellion gegen autoritäre Strukturen und den alle Lebensbereiche beherrschenden Nützlichkeitswahn spiegelte sich in Werken, in denen er mit Getöse das Wunderbare und Spielerische feierte. "Stillstand gibt es nicht", proklamierte er in einem Manifest, das er vom Flugzeug aus über einer Großstadt ausstreute. Er hielt sich daran, in seinem Leben wie in seinen Schöpfungen. Lange Jahre zog er von Ort zu Ort, suchte und fand Gleichgesinnte, mit denen er Projekte realisierte, öffentliche Spektakel inszenierte und aufwendige Werke schuf. Er sprühte vor Ideen und verstand es, seinen Enthusiasmus auf andere zu übertragen. Passte ihm jedoch etwas nicht oder scheiterte eines seiner Projekte, konnte er brüllen und wüten. Einer seiner engsten Freunde, und lange sein Weggefährte, stöhnte, ansonsten unerschütterlich, in der Erinnerung: "Immer diese Hetzerei und dieser Charakter, einmal so und einmal so, nie aufzuhalten und immer auf dem Sprung. Immer wenn es gemütlich wurde, haute er ab."

Das Kaputte, Nutzlose gewann unter seinen Händen ästhetische Würde und dynamisches Eigenleben. Seine Schöpfungen attackierten mit Witz den Kunstbetrieb, sie rechneten ironisch mit der Musealisierung ab und sabotierten die Rede von der Einmaligkeit und dem Ewigkeitswert der Kunst. Hinter Heiterkeit, Spielerei und scheinbar zweckfreier Bewegung verbargen sich später Aggression, Lust an der Zerstörung und Angst vor dem Tod, dem er bei einer komplizierten Herzoperation entkommen war. Der ließ dem ingeniösen "Lumpensammler" leider nicht mehr viel Zeit. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 38:
Catherine Deneuve (*22. 10. 1943 in Paris), Frankreichs Film-Ikone, wurde von Regisseur Roger Vadim entdeckt, Vater ihres Sohnes Christian (*1962). In jungen Jahren spielte sie so schöne wie unheimliche Frauen, so in Roman Polanskis "Ekel" (1965) und unter Luis Buñuel die Edelhure "Belle de Jour" (1967). 1980 überzeugte sie in "Die letzte Metro", François Truffauts Drama im besetzten Paris, in der Rolle der Theaterbesitzerin Marion Steiner. Mit Truffaut war sie Ende der Sechziger liiert, danach liebte sie Marcello Mastroianni, von dem sie Tochter Chiara (*1972) bekam. Deneuves Schwester Françoise Dorléac starb 1967 bei einem Autounfall