Was lese ich in der englischen Zeitung The Observer? "Das Dortmunder Sparkassen Chess Meeting ist einer der absoluten Höhepunkte des Schachkalenders, seit den frühen 1990ern ist es ein wahres powerhouse, bei dem sich fünf Weltmeister in die Siegerliste eintrugen: Kasparow, Karpow, Topalow, Anand und Kramnik, Letzterer gewann sogar schon neun Mal." Allzu gern hätte Wladimir Kramnik die runde Zahl "in seiner guten Stube Dortmund" geschafft, doch dieses Jahr war einfach nicht seines. Er, der viele Jahre nahezu den Nimbus der Unbesiegbarkeit genoss, musste sich bei zehn Partien gar zwei Mal geschlagen und zum Schluss mit nur 50 Prozent der Punkte zufrieden geben. Das tat, das tut weh. Auch für den "Künstler" Kramnik ist Schach doch vor allem Sport, bei dem die Ergebnisse zählen. Mit Auswirkung auf die Rating-Zahl und den Geldbeutel. Kramnik: "Ich möchte mit Schach Geld verdienen. Ich glaube, das gilt für jeden Schachprofi." Dass der Geldbeutel diesmal weniger prall gefüllt war, daran trug auch der deutsche Spitzenspieler Arkadij Naiditsch aus Dortmund "Schuld", der ihn in einer spannenden Partie besiegte.

Diese Stellung hätte in einer äußerst komplizierten Variante vorkommen können, wobei es nach 1.Kc1 Df4+ 2.Kb1 (2.Ld2? Tc4+ 3.Kb1 Txd2) De4+ zum Remis durch ewiges Schach käme. Doch mit welcher schier unglaublichen Kombination hätte Kramnik als Schwarzer nach 1.Ka1? sogar gewinnen können, wobei der Turm auf a2 tragikomisch seinem König ein wichtiges Fluchtfeld nimmt?

Lösung aus Nr. 38:
Welcher unscheinbare schwarze Zug gewann mindestens den weißen Turm? Nach 1...Dc5! gab Weiß schon auf. Bei 2.Dxc5 Txd1+ 3.Kf2 Sxc5 verlöre er seinen Turm, bei 2.Txd4 Dxc2 3.Txd7 Dc5+! 4.Kf1 (4...Kh1 Dc1+ nebst Matt) Dxf5+ 5.Kg1 Dxd7 gar noch mehr, doch der schrecklichste der Schrecken wäre das Matt durch Doppelschach nach 2.Tc1 Td1++.