Tauben wackeln mit dem Kopf, um beim Laufen nicht vornüberzukippen, so die landläufige Vorstellung. Aber tatsächlich ist der Grund für die auffälligen Kopfbewegungen ein anderer.

Schauen Sie einmal einen Menschen an, der aus dem Fenster eines fahrenden Zugs blickt. Sie werden rasche, zuckende Augenbewegungen feststellen, sogenannte Sakkaden. Der Betrachter fixiert einen Punkt in der Landschaft und folgt ihm mit den Augen, bis er aus seinem Gesichtsfeld verschwindet, dann springen die Augen zurück, zu einem neuen Punkt. Wer starr aus dem Fenster blickte, erhielte nur ein verwischtes Bild.

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So möchte auch die Taube ihre Umgebung fixieren, während sie sich vorwärts bewegt. Nur sind Vogelaugen längst nicht so beweglich wie menschliche. Deshalb muss der gesamte Kopf bei dem Nachführ-Manöver helfen: Der bleibt fest in seiner Position im Raum, der Körper wird darunter nachgezogen, und dann schnellt der Kopf wieder nach vorn, um die nächste feste Position einzunehmen.

Für Zweifler gibt es zwei sehr überzeugende Experimente, die beweisen, dass das Nicken nichts mit der Balance zu tun hat: Nimmt man eine Taube in die Hand und trägt sie durch den Raum, dann nickt sie ebenfalls. Den umgekehrten Versuch machte der US-Neurowissenschaftler Barrie J. Frost im Jahr 1978: Er brachte Tauben bei, auf einem Laufband so zu trippeln, dass ihre Position im Raum konstant blieb. Die Tauben nickten nicht mehr – und es verlor auch keine von ihnen das Gleichgewicht.

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