Jetzt hat also Telekom-Chef René Obermann Ärger mit dem Staatsanwalt . Es kommt nicht oft vor, dass ein amtierender Vorstandsvorsitzender eines Dax-Konzerns ins Visier der Strafverfolger gerät. Und es passiert noch seltener, dass ein Aufsichtsrat zugleich dessen Vertrag verlängert – was das Kontrollgremium der Telekom offenbar in voller Kenntnis der Ermittlungen vorhat.

Eine Seite muss mit ihrer Einschätzung von Obermann grob danebenliegen: entweder die Staatsanwälte mit ihrem Verdacht oder die Aufsichtsräte der Telekom mit ihrer geplanten Vertrauensgeste.

Es geht um Korruption in Südosteuropa, einem der wichtigsten Auslandsmärkte der Telekom. Der Vorfall erinnert an jene längst vergessen geglaubten Zeiten, in denen die Telekom der deutsche Skandalkonzern schlechthin war: ein Haifischbecken voller geltungssüchtiger Führungskräfte, stets Spielball politischer Interessen, ignorant gegenüber Kunden und Mitarbeitern, rücksichtslos gegenüber kritischen Journalisten. Vieles davon schien längst anekdotisch und die Telekom auf dem Weg zu einem ganz normalen Konzern zu sein – oder war das eine große Täuschung?

Obermann bestreitet jeden strafrechtlichen Vorwurf entschieden. Der öffentliche Wirbel ist dessen ungeachtet gewaltig.

Es geht um angebliche Schmiergeldzahlungen in Makedonien und Montenegro durch Mitarbeiter der Konzerntochter Magyar Telekom aus Ungarn vor etlichen Jahren. Dazu ermittelten bereits US-Behörden sowie die Telekom selbst. Die von ihr beauftragte Anwaltskanzlei White & Case fand voriges Jahr heraus, dass zwischen 2000 und 2006 insgesamt bis zu 30 Millionen Euro teilweise gezahlt worden sein sollen, um "spezielle regulatorische oder sonstige Vorteile von der Regierung von Makedonien zu erlangen".

Mit diesen angeblichen Zahlungen, so heißt es aus der Konzernzentrale, habe Obermann nichts zu tun. Allerdings werde ihm jetzt von der Staatsanwaltschaft unterstellt, er habe seine Zustimmung zu Dividendenzahlungen der Makedonski Telekom (MakTel) an die Bedingung geknüpft, dass eine geplante Öffnung des makedonischen Marktes für Wettbewerber unterbleibe. Obermann soll dies gegenüber dem MakTel-Vorsitzenden gesagt haben, als dieser 2005 zu Besuch in der Bonner Konzernzentrale war. An der MakTel war neben der Telekom-Tochter Magyar Telekom auch der makedonische Staat beteiligt.

Man könnte darin den Versuch einer Nötigung sehen. Seltsam bliebe, dass der MakTel-Chef gar nicht der richtige Adressat gewesen wäre, weil ja nicht er, sondern die Regierung über die Marktöffnung entscheidet. Was hätte Obermann mit so einer Forderung erreichen können, sollte er sie überhaupt gestellt haben?