Deutschland, Nation der Pfennigfuchser. Nirgendwo hat das Discounter-Prinzip so viele Anhänger: Hackfleisch, T-Shirts, der neue Wandschrank – alles ist irgendwo noch billiger zu haben. Nicht aber beim Kauf von Fonds . Hier sind Sonderangebote selten und Rabattschlachten gänzlich unbekannt. Kein Anbieter wirbt mit dem Preis. Im Gegenteil: Fonds werden sogar immer teurer. Und das, obwohl die Nachfrage sinkt.

In der Krise haben Anleger Milliardenbeträge aus den Fonds abgezogen, vor allem aus solchen, die in Aktien investieren. Davon haben sich viele Fonds nicht wieder erholt, auch wenn zuletzt die Kurse wieder stiegen. Hinzu kommt, dass einfache und günstige Produkte wie die börsengehandelten Indexfonds (ETFs) traditionellen Investmentfonds zunehmend Konkurrenz machen. Außerdem wächst die Zahl ausländischer Wettbewerber. Viele Gesellschaften mussten zuletzt Fonds auflösen oder zusammenlegen, weil diese schlicht nicht mehr rentabel waren. Aber dass sie deshalb die Preise gesenkt hätten, um neues Kapital einzusammeln? Fehlanzeige.

14,8 Millionen Deutsche besaßen laut einer Studie des Dachverbands der Fondsindustrie BVI im vergangenen Jahr Investmentfonds. Jeder Deutsche hat im Schnitt 7946 Euro in Fonds investiert. Und muss immer tiefer in die Tasche greifen. Das fängt schon beim Kauf an, wenn am Bankschalter der sogenannte Ausgabeaufschlag oder das Agio fällig ist. Dessen Höhe liegt bei Aktienfonds bei bis zu fünf Prozent der Anlagesumme. Das heißt: Wer hundert Euro in einen Fonds stecken will, investiert in Wahrheit nur 95,24 Euro. Die restlichen 4,76 Euro fließen als Provision an den Verkäufer, der bei der Bank angestellt ist oder – was häufiger vorkommt – bei einem Vertriebspartner. Denn Fondsgesellschaften verkaufen üblicherweise nicht direkt an Privatanleger. Die anfängliche Gebühr umgehen kann der Anleger nur bei sogenannten Fondsdiscountern im Internet, die auf eine Provision ganz oder teilweise verzichten. Oder er geht über die Börse, dort allerdings kostet dann die Order Geld.

Der Ausgabeaufschlag ist aber nur der Anfang. Liegt der Fonds erst einmal im Depot, wird jedes Jahr eine sogenannte Verwaltungsgebühr fällig, die je nach Anbieter und Fondsart variiert. Anders als der Name vermuten lässt, fließt das Geld nicht allein an den Verwalter oder den Fondsmanager. Ein Teil, den Experten Kickback nennen , geht auch an den Vertriebspartner. Dazu kommen noch Posten wie die Depotbankvergütung und Transaktionsgebühren. Außerdem verlangen viele Fonds inzwischen eine erfolgsabhängige Gebühr. Macht der Fondsmanager seinen Job gut, streicht seine Gesellschaft bis zu einem Fünftel des Gewinns ein.

Der Marktmechanismus, wonach die Preise eigentlich fallen müssten, wenn die Nachfrage sinkt, scheint beim Fondskauf ausgehebelt. Die durchschnittliche Gesamtkostenquote, die fast alle anfallenden Gebühren berücksichtigt, hat europaweit gerade einen neuen Höchststand erreicht. Nach Angaben der Rating-Agentur Lipper liegt sie bei 1,93 Prozent. Vor elf Jahren waren es lediglich 1,75 Prozent. Die Verwaltungsgebühren, die gesondert ausgewiesen werden, stiegen im selben Zeitraum von 1,38 Prozent auf im Schnitt 1,58 Prozent. Das ist ein Zuwachs von fast 15 Prozent.

Die Fondsgesellschaften selbst rechtfertigen die höheren Preise unterschiedlich: Die neuen rechtlichen Vorschriften umzusetzen verschlinge viel Geld, sagen die einen. Das Risikomanagement werde immer aufwendiger, klagen andere. Zudem stiegen die Kosten für die Rechenzentren, da die Gesellschaften immer besser aufbereitete Informationen im Internet zur Verfügung stellen müssten.

Und wenn das noch nicht zieht, kommt das Argument Feinkostladen. Keiner will der Aldi der Branche sein. "Wir wollen besonders gut sein, nicht besonders günstig", sagt ein Sprecher der Deutsche-Bank-Tochter und deutschen Marktführerin DWS. Von der Investmentgesellschaft Franklin Templeton heißt es knapp: "Qualität hat ihren Preis." Auch Union Investment, die ihre Fonds über die Volks- und Raiffeisenbanken verkauft, teilt mit, sie strebe keine Preisführerschaft an, sondern definiere sich in erster Linie über die Qualität ihrer Produkte.