DIE ZEIT: Herr Aust, Sie haben eine vierstündige Dokumentation über die Familie Porsche-Piëch gedreht, die diesen Samstag auf Vox zu sehen ist. Was waren Ihre wesentlichen Eindrücke?

Stefan Aust: Man kann vier Stunden nicht auf eine Zeile bringen. Was man sieht, ist, wie sich diese Familie über die Jahrzehnte verändert und wie sie bis heute eine große Wirtschaftsmacht bildet.

ZEIT: Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Aust:Ferdinand Piëch . Er ist der wahre Erbe seines Großvaters Ferdinand Porsche. Das zu werden und zu sein ist in meinen Augen seine wirkliche Triebfeder. Und ganz sicher ist er ein schwieriger Mensch.

ZEIT: Bewerten Sie nach Ihren Recherchen die Übernahme von Porsche durch Volkswagen als Sieg der Familie?

Aust: Ich kenne Piëch seit vielen Jahren, und mir war lange klar, dass er meint, Porsche und VW gehörten unter ein Dach. Das geht bis in die frühen neunziger Jahre zurück. Als ich ihn damals fragte, warum er die Firma Porsche, die zu der Zeit in Schwierigkeiten steckte, nicht übernehme, war seine Antwort sinngemäß: Die Familie sei noch nicht so weit.

ZEIT: Zunächst versuchte Porsche, den VW-Konzern zu übernehmen. Am Ende kam es andersherum.

Aust: Zuerst hat Piëch da ja mitgespielt. Aber dann kam einfach der Punkt, an dem er mit dem Kurs seines Vetters Wolfgang Porsche nicht mehr übereinstimmte.

ZEIT: Oder hat er es von Anfang an so geplant? Vergangene Woche in Paris hat Piëch nebenbei fallen lassen, Volkswagen sei ihm am Ende immer näher als Porsche gewesen.

Aust: Er ist mit Audi und VW durch sehr viele Tiefen gegangen. 1993/94 stand der Konzern kurz vor der Pleite.

ZEIT: Damals wurde die 28-Stunden-Woche eingeführt.

Aust: Das brachte ihnen Luft zum Atmen. Aber dass ihn diese Erlebnisse dazu gebracht haben, sich Wolfsburg mehr verpflichtet zu fühlen als Stuttgart, das hat er noch nie so deutlich wie jetzt vor einer Kamera gesagt.

ZEIT: Haben die Ereignisse um die Übernahme von Porsche die Familien auseinandergerissen?

Aust: Nein, sie sind pragmatisch, und Ferdinand Piëch ist klug genug, seinen Vetter nicht zu demütigen. Aber man merkt natürlich, dass sich die Machtverhältnisse verändert haben. Wenn Sie Wolfgang Porsche sehen und mit ihm reden, da merkt man, dass er im Endeffekt den Kampf verloren hat.