Gut, dass ich bei der ersten Testfahrt das Radio eingeschaltet hatte. Was der Nachrichtensprecher da verkündete, hat meine Erwartungen an das Testauto – einen Opel Meriva – schlagartig erhöht. Eine lebenslange Fahrzeug-Garantie sollen Opel-Käufer hinfort bekommen. Das ist mutig. Knausern doch die deutschen Renommiermarken üblicherweise mit kümmerlichen zwei Jahren Gewährleistung, allein die Koreaner Hyundai (5 Jahre) und Kia (7 Jahre) haben sich bislang ähnlich weit vorgewagt. Klar, Opel hat ein Imageproblem, die quälend lange Bettelei um Staatskredite hat dem Ruf geschadet. Da kann so eine Marketingaktion hilfreich sein – auch wenn es bei der Garantieerklärung natürlich Einschränkungen im Kleingedruckten gibt. Um das Fazit der Testfahrt vorwegzunehmen: Die Autos der Marke mit dem Blitz sind besser als ihr Ruf. Auf den knapp 2000 Testkilometern – einmal von Hamburg auf die Schwäbische Alb und zurück – gab es nichts zu mäkeln. Der Verbrauch lag – trotz flotter Autobahnfahrt und Vollbesetzung samt Gepäck – mit 6,9 Litern erfreulich nah an den sonst meist ziemlich theoretischen Prospektwerten.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Autos mit flexibler Raumnutzung will Opel bauen, der Meriva untermauert den Anspruch. Die dreifach aufteilbaren Sitze der zweiten Reihe und der Kofferraum lassen sich fix für jeden denkbaren Transport verstellen. So was sucht man selbst bei der erfolgreichen Konkurrenz aus Wolfsburg vergeblich. Die Gänge – der getestete Turbo mit 140 PS hat gleich sechs davon – lassen sich leicht einlegen, und das Navi mit großem, gut im Blickfeld liegenden Bildschirm arbeitet wunderbar. Natürlich kostet so was extra. Dafür eignete sich der Test-Meriva ideal als Reisewagen für die erweiterte Kleinfamilie mit Kind und Hund – obwohl er ja eher als Stadtauto daherkommt.

In seiner Stammdomäne hat er allerdings ein Handicap: Ohne Einparkhilfe fiele das Einparken schwer, weil man die Motorhaube nicht sieht. Das hat der Meriva leider mit fast allen neuen Automodellen gemein. An die Besonderheit der hinteren Türen hat man sich schnell gewöhnt: Wie beim Rolls Royce öffnen sie sich in Richtung Kofferraum und nicht, wie üblich, in Richtung Fahrertür. Man hat beim Ausstieg viel Platz und kann ihn entsprechend zelebrieren. Leute, bei denen das Image der Marke beim Autokauf im Vordergrund steht, werden den Meriva wohl trotzdem nicht kaufen.

Es dauert halt, bis der Ruf wieder aufpoliert ist.

Technische Daten  

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 103 kW (140 PS)  
Beschleunigung (0–100 km/h): 10,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 196 km/h  
CO2-Emission: 156 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,7 Liter  
Basispreis: 15.900 Euro

Dietmar H. Lamparter ist Wirtschaftsredakteur