Panzer hinterlassen Spuren, die Flugbahnen von Raketen kann man zum Ausgangspunkt zurückverfolgen. Weniger eindeutig ist das bei Computerviren wie dem Trojaner Stuxnet, der Ende September für wohligen Schauder sorgte. Schauder, weil er als erstes bekanntes Virus Industrieanlagen befiel (und keine Heim-PCs). Wohlig, weil es keine deutschen Fabriken traf, sondern offenbar ein übles Regime . Sabotage an Ahmadineschads Atomprogramm? Iran dementiert, was auch sonst! Westliche Sicherheitsexperten orakeln, das sei der Krieg der Zukunft. Unlängst hatten sie noch auf Industriespionage getippt . Auch das klang gruselig – und irgendwie plausibel.

Im Stuxnet-Grusel forderte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen: Bei "Cyberangriffen" sollten die Mitgliedsstaaten den Bündnisfall ausrufen können. Den Bündnisfall! Dann könnten sie gemeinsam das Recht auf – militärische – Selbstverteidigung wahrnehmen. Viren würden mit Panzern und Raketen gleichgesetzt.

Das ist dumm, weil es digitale Schädlinge nicht eindämmt. Und gefährlich, weil es die Kriegsschwelle senkt. Denn das technische Prinzip von Computerviren ist möglichst perfekte Tarnung. Schon die Erfahrung mit normaler Cyberkriminalität zeigt: Wenn der Urheber anonym bleiben will, dann kann er das – und versteckt sicherheitshalber ein paar falsche Fährten im Code. Die Kaffeesatzleser fanden in Stuxnets Abertausend Programmzeilen einen alttestamentarischen Namen. Steckt also der Mossad dahinter? Klingt spannend, doch einen "Angreifer" überführt es mitnichten. Und den Anlass für einen Krieg darf es erst recht nicht liefern.

Keine Frage: Staaten, Volkswirtschaften, ganze Gesellschaften hängen vom Netz ab und sind verwundbar. Wir müssen uns absichern, brauchen Expertise. Ermittler und vor allem Informatiker werden dafür benötigt – keine Drohgesten.