Für einen langjährigen Mandanten des Rentenberaters Stefan Albers wurde die Finanzkrise schlagartig persönlich greifbar, als er die jüngste Jahresbescheinigung seiner privaten Rentenversicherung in den Händen hielt: Die in den Jahren zuvor angekündigte Beteiligung am Überschuss des Versicherers war um fast 100.000 Euro auf gerade einmal 50.000 Euro zusammengeschmolzen. "Vielen geht es nach der Finanzkrise ähnlich", sagt Albers, der seit 2008 Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberater ist. "Geringe Mindestverzinsungen bei klassischen Versicherungen und Mechanismen zum Kapitalerhalt bei fondsgebundenen Angeboten schlagen seit der Finanzkrise voll auf die Renditen durch."

Die private Altersvorsorge erlebt derzeit einen Einbruch – und zwar zweierlei Natur. Einerseits schwindet das Vertrauen in die angebotenen Produkte und die Sicherheit, das angelegte Geld mehren oder zumindest erhalten zu können, drastisch. Das führt – neben manch krisenbedingtem Rückgriff auf die Reserven – vielfach zu mehr Vorsicht bei der Neuanlage oder gar zum Rückzug aus bestehenden Investments. Andererseits macht die Anti-Krisen-Politik der Zentralbanken mit ihren niedrigen Leitzinsen es zunehmend unmöglich, mit überschaubaren Beiträgen für das Alter vorzusorgen, ohne ein erhöhtes Risiko einzugehen. Beides zusammen führt dazu, dass die Zahl derer steigt, die im Alter ihren Lebensstandard voraussichtlich nicht werden halten können.

Wie stark der Vertrauensverlust der Bürger tatsächlich ist, illustriert eine repräsentative Umfrage des Instituts Allensbach im Auftrag der Postbank. Im Vergleich zum Jahr 2009 nahm vor allem die Zustimmung zu Riester-Renten, festverzinslichen Produkten und Lebensversicherungen als Vehikeln der Altersvorsorge ab. Verbraucherschützer kritisieren schon lange, dass insbesondere Renten- und Lebensversicherungen zu wenig Flexibilität bieten und zu viel Kapital bei einem einzelnen Anbieter binden, um Krisen sicher zu überstehen.

Es bleibt nicht bei der wachsenden Skepsis allein, wie die Studie weiter zeigt. Demnach glaubt zwar mehr als ein Drittel der Deutschen, dass die gesetzliche Rente wegen der hohen Staatsverschuldung in Zukunft weiter gekürzt wird. "Die Sorge der Deutschen um die Altersvorsorge ist 2010 nicht geschwunden", sagte Michael Meyer, Vorstandsmitglied der Postbank, am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie. Dennoch haben 20 Prozent der Befragten angegeben, private Verträge zur Altersvorsorge aufgrund der Finanzkrise gekündigt oder reduziert zu haben. Damit fällt diese Quote noch schlechter aus als in der Umfrage des Jahres 2009.

Doch diese Vorsicht ist nur ein Teil des Dilemmas, in dem die privaten Sparer zurzeit stecken. Denn denen, die vorsorgen wollen, fehlt es an den passenden Angeboten. "Wir haben durch die aktuelle Geldpolitik ein Zinsniveau, das für die private Altersvorsorge schlicht nicht mehr ausreicht", sagt etwa Manfred Poweleit, Chefredakteur des map-report, eines Branchendienstes für Versicherungen. "Von 2001 bis 2009 hat sich der Zinsüberschuss, den Kunden bei der Auszahlung ihrer Versicherung bekommen haben, mehr als halbiert."

Auch die Zinsen, die Kunden bei Abschluss einer Kapitallebensversicherung garantiert bekommen, sind in den vergangenen Jahrzehnten immer drastischer gesunken. Noch in den neunziger Jahren hatte der Garantiezins bei vier Prozent und höher gelegen, seit 2007 liegt er bei mageren 2,25 Prozent – und könnte Brancheneinschätzungen zufolge 2012 weiter sinken. Grund dafür ist vor allem der niedrige Leitzins, den die Europäische Zentralbank vorgibt und in dessen Folge die Renditen aller verhältnismäßig sicheren Anlageformen in den Keller sinken. Wie stark dieser Effekt ist, zeigt die durchschnittliche Rendite festverzinslicher Wertpapiere: Zwar liegt sie im Durchschnitt der vergangenen 55 Jahre bei beeindruckenden 6,5 Prozent pro Jahr. Aktuell kämpft sie jedoch stark damit, oberhalb der Zweiprozentmarke zu bleiben.

Als Gegenstrategie zu sinkender Garantieverzinsung und Überschussbeteiligung sind die Versicherer seit einiger Zeit dazu übergegangen, ihren Kunden statt Sparverträgen mit Garantiezins fondsgebundene Versicherungen anzubieten, bei denen vor allem in Aktien investiert wird. Manfred Poweleit kritisiert diese Sorte Versicherung heftig: "Ziel dieser Verträge ist es, das Kapitalanlage-Risiko vom Versicherer auf den Kunden zu übertragen. Dabei ist es doch eigentlich die Aufgabe von Versicherern, ihren Kunden das Risiko abzunehmen."