Sind es wirklich die Tugenden der schwäbischen Hausfrau, die Deutschland finanziell wieder nach vorne bringen, wie Angela Merkel behauptet? Oder sind es doch eher die Tugenden eines Gelsenkirchner Trainers? Die unkonventionellen Maßnahmen, die Felix Magath als Coach des FC Schalke 04 anwendet, um die Kasse seines von Millionenschulden geplagten Vereins zu sanieren, zeugen in jedem Fall von sehr kreativer Sparpolitik. Weil die Mittelfeldspieler Ivan Rakitić und Jermaine Jones bei der Niederlage gegen Hannover 96 in einer Standardsituation nicht bei ihren Gegenspielern waren, wurden beide bereits in der Halbzeitpause zu 10.000 Euro Geldstrafe verdonnert.

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So lässt sich der Verein bei schlechten Spielen von seinen Spitzenverdienern quasi den unangemessenen Gehaltsanteil wieder zurückzahlen – ein modernes Malus-System, das unbedingt in die Verträge der Spitzen westdeutscher Landesbanken aufgenommen gehört hätte. Zumal der Begriff der "Standardsituation", den Magath als Bewertungsgrundlage für Fehlverhalten nimmt, ja mühelos auf alle Arbeitsbereiche übertragen werden kann. Zudem böte das Gemeinden und Kommunen die Möglichkeit, ihre Haushalte nicht nur über Parkgebühren aufzubessern, sondern auch über pädagogische Maßnahmen für Versagen bei Standardsituationen: Einmal schlecht eingeparkt? 50 Euro.

Dass sich dieses Prinzip vom Fußball sogar auf die Kreativwirtschaft übertragen lässt, zu welcher Branche wir Schalke 04 im Moment leider nicht zählen können, beweist das Beispiel des legendären James Brown. Dieser hardest working man in show business hat lange vor dem hardest working man in football business das Prinzip der Blitzjustiz auf dem Platz etabliert. Er hat mit einer simplen Handbewegung den Mitgliedern seiner Band noch auf der Bühne signalisiert, wenn sie ein strafbewehrtes Vergehen begangen hatten. Wer also seine Schuhe nicht geputzt hatte oder aus dem Rhythmus fiel, der wurde von James Brown auf offener Bühne angezählt – per Handzeichen demonstrierte Brown dem Musiker, wie viel Hundert Dollar ihn das kostete. Die Fans hielten diese rhythmischen Handbewegungen immer für einen Teil von Browns einzigartiger Performance.

Man sollte also künftig genauer hinschauen, wenn Felix Magath während des Spiels am Spielfeldrand wild mit seinen Händen gestikuliert. Er legt damit die Höhe des Strafmaßes fest.