Der größte Computerhersteller der Welt bekommt einen neuen Chef: Léo Apotheker. Ein gutes Dreivierteljahr nach seinem Abgang bei SAP , einem der bedeutendsten Hersteller von Unternehmenssoftware, wird der 57-jährige Deutsche der neue Chief Executive Officer von Hewlett-Packard (HP). Anfang November wechselt er offiziell in die Konzernzentrale im kalifornischen Palo Alto.

Apotheker polarisiert. Bei SAP fiel er zu Beginn dieses Jahres in Ungnade, weil er erstmals in der Geschichte des erfolgsverwöhnten Softwarekonzerns drastische Sparmaßnahmen beim Personal durchsetzte. Außerdem versuchte er, die Preise für die Softwarenutzung stark zu erhöhen, was die Kunden gegen SAP aufbrachte. Mehr als 20 Jahre lang arbeitete sich Apotheker bei SAP zielstrebig nach oben, doch als er endlich ganz allein das Sagen hatte, ließ man ihn lediglich neun Monate lang gewähren.

Nun soll Apotheker bei HP das Erbe von Mark Hurd antreten, der im Sommer vom Chefposten zurücktrat , weil ihm unklare Spesenabrechnungen und sexuelle Belästigung vorgeworfen worden waren. Larry Ellison, Chef der Datenbankfirma Oracle und Lieblingsfeind von HP und SAP, lästerte bereits. "Ich bin sprachlos. HP hatte mehrere gute interne Kandidaten, und dann nehmen sie einen Mann, der kürzlich bei SAP gefeuert wurde, weil er zu schlecht war", ließ der für seinen ruppigen Ton bekannte Ellison das Wall Street Journal wissen.

Schlecht oder gut: Was für ein Mann ist das, der vor seiner Chefwerdung bei SAP hauptsächlich Branchenkennern ein Begriff war und der nun den bedeutendsten Produzenten von Personal Computern, Laptops und Großrechnern führen soll? Schlecht oder gut: Wie steht es eigentlich um HP?

Die Ära der großen Digitalisierung kommt den Anbietern von Informationstechnologie grundsätzlich entgegen. So ist die Branche vergleichsweise gut durch die jüngste Krise gekommen, auf Computern und Software ruhen nun die Hoffnungen der Zukunft: Intelligente Netze sollen Energie- und Informationsflüsse möglichst effizient steuern. Große Mengen Daten sollen in anonymen Rechenzentren lagern, den digitalen Bibliotheken für das gesammelte Wissen der Menschheit, und dabei jederzeit und von überall aus abrufbar sein. Keine schlechten Aussichten also für eine Firma wie HP, die die entsprechende Infrastruktur liefert und schon heute mehr Umsatz einfährt als Microsoft und Apple zusammen.

Gleichwohl gelang es HP bislang nicht, bei Verbrauchern eine so begehrte Marke wie beispielsweise Apple zu werden – diese ist inzwischen der Maßstab für das Geschäft mit Privatkunden. So wurde lange über flache Tablet-Rechner von HP diskutiert, doch den Standard setzte Apple mit seinem iPad. Beinahe hilflos wirkte es auf manche, als HP im vergangenen Frühjahr die Firma Palm übernahm , um sich auf diese Weise einen besseren Zugang zur mobilen Computerwelt zu erkaufen.