Es mag einem nicht gefallen, aber es ist so: Ob eine Aktiengesellschaft von einer anderen Aktiengesellschaft gekauft werden kann oder nicht, darüber entscheiden jene Aktionäre, denen die begehrten Aktien gehören. Aus ihrer Sicht gibt es keine "feindliche" Übernahme. Der Kaufinteressent macht ein Angebot, und sie sind frei zu entscheiden, ob sie es annehmen oder nicht.

So ist es auch bei der in Essen beheimateten, aber international operierenden Bauunternehmensgruppe Hochtief. Ihren Aktionären will der spanische Baukonzern ACS ein Angebot machen. Die Spanier halten schon länger knapp 30 Prozent der Hochtief-Aktien und wollen nun trickreich auf 50 Prozent aufstocken. Damit hätten sie die Kontrolle über den größten deutschen Baukonzern – ein Vorhaben, das dessen Vorstände, die deutschen Mitarbeiter und die Regierung von Nordrhein-Westfalen als "feindlich" empfinden .

Weniger zimperlich sind die Essener gewesen, als es um Leighton ging, den größten australischen Baukonzern. Dort war Hochtief 1981 mit 10 Prozent eingestiegen und hat bis heute auf 55 Prozent aufgestockt. Am liebsten hätten die Deutschen den Konzern ganz, denn er ist eine Ertragsperle. Die australische Tochter ist an der Börse um einige Milliarden wertvoller als die deutsche Mutter, was für die Manager in Essen kein gutes Zeugnis ist. Vielleicht ist auch das der Grund, warum sie nun teure Investmentbanker und Anwälte zur Abwehr von ACS beschäftigen.

Damit ist nicht gesagt, dass Hochtief bei ACS gut aufgehoben wäre. Im Gegenteil: Eigentlich sollten Aktiengesellschaften vielen (kleinen) Aktionären gehören und nicht anderen Konzernen. Aber darüber entscheiden die Anleger.