Und dann die Banane. Nach einer halben Stunde endlich etwas, an dem man sich festhalten kann, in dem Film über den Journalisten Tiziano Terzani Das Ende ist mein Anfang. Bruno Ganz, in der Rolle des schwer krebskranken Journalisten, schält eine Banane, und man ist bereit, weil es sehr lange nichts weiter zu sehen gab als toskanische Hügel, das weiße Guru-Gewand Terzanis und einen fremdelnden Sohn, man ist bereit, die Banane für ein großes Symbol zu halten. "Die Napalmbomber hatten dort nichts verloren. Ich nehm mal eine Banane." Vielleicht lag auch sonst nichts anderes in der Nähe herum, an dem Bruno Ganz sich hätte festhalten können, während er das Leben Terzanis nacherzählt. Also erst einmal in Ruhe eine Banane schälen, wir haben Zeit, und erklären, was hier eigentlich los ist.

Tiziano Terzani will 1971 nach China reisen, beseelt von der Idee des kommunistischen Großreichs, in das er zunächst aber nicht einreisen darf. Er wartet in Singapur. Wird vom Hamburger Wochenmagazin Der Spiegel als Korrespondent bezahlt und reist nach Saigon, um dort vom Vietnamkrieg zu berichten. Dort sieht er den Tod, isst leckere Tartes in abgeriegelten Restaurants, lernt nachts Menschen kennen, die tags darauf vielleicht schon eine Kugel im Rücken stecken haben. Vom Kommunismus zunächst begeistert, muss er sich später bitter eingestehen, dass der Mensch nur mit Gewalt gleichgestaltet werden kann. Bruno Ganz teilt uns dies mit, umgeben von zwitschernden Vöglein im Garten, hält Spannung und Banane nur missmutig.

In den letzten Tagen will der Schwerkranke jemandem sein Leben berichten. Dafür muss der Sohn anreisen, der im Film auf bizarre Weise durchweg italienisch (mit deutschem Untertitel) spricht, während sein Vater auf Deutsch antwortet. Der Regisseur Jo Baier hat dieses Interview mit dem Vater, das bereits in Buchform erschienen ist, im lauen Fernsehfilmton nachgestellt. Und bis zur letzten Minute bleibt rätselhaft, weshalb aus so einem Stoff, einer Biografie, die sich an den Ereignissen und Katastrophen des letzten Jahrhunderts bricht und reibt, eine ambitionslose Vorabendunterhaltung gemacht wird. Es ist fast schon kurios, wie hier Regisseur und Drehbuchautor die Essenzen einer bewegten Laufbahn zersägen und bekömmlich machen.

Terzani, der sich gegen Ende seines Lebens vom Journalismus verabschiedete, im Himalaya nach Erleuchtung suchte, meditierte und später vor allem als Kritiker der westlichen Konsumgesellschaft auftrat, galt als ruhig argumentierender Streiter für die richtige Sache. Ganz verleiht ihm jedoch einen maximal selbstverliebten Duktus: "Während meine Kollegen am Sonntag zum Empfang des Botschafters gingen und mit dem Parteivorsitzenden sprachen, besuchte ich Märkte und schrieb über Grillen. Aber am Ende habe ich China besser begriffen als sie." Ihm ist dabei immer auch etwas Mürrisches in den Ton geraten, das Terzani eher wie einen enttäuschten, frustrierten und nicht nur wegen der Krankheit niedergeschlagenen Greis wirken lässt. Was da von den Hügeln herunterknurrt, ist eine lange nölige Predigt.

Während der Interviewpausen versucht Baier, Terzani in allen Facetten zu porträtieren, und zeigt, wie er sich – man denkt immer an den Führerbunker – über zu harte Kartoffeln echauffiert, wie er seinen Sohn, der doch schon bei Mutter Teresa arbeitet, zu großen Taten in seinem Leben antreibt. Seine Frau (Erika Pluhar) wandert kochend und kissenaufschüttelnd durch die Szenen und scheint auch nicht so genau zu wissen, weshalb sie eigentlich da ist. Am Ende bleibt ein seltsamer Geschmack von Leere.