Lehrer haben den schwersten Stand. Anders als früher stehen sie heute mit minimalem Prestigevorschuss vor den Schülern. Autoritäres Gehabe ist passé, stattdessen muss ein Pädagoge mit psychologischem Geschick lustlose Schüler motivieren und Konfliktmanagement betreiben – was ohne Autorität ein Ding der Unmöglichkeit ist. Wie schafft er es? Indem er "Selbst- und Fremdwahrnehmung schärft", sagt Julia Košinar, die im Auftrag der Universität Bremen Lehrbeauftragte in Körperkompetenz schult. Der Lehrer muss eine klare Position einnehmen: Ich bin das Zentrum. Er muss allgegenwärtig sein und gleichzeitig fein dosieren: Auf eine Störung laut reagieren? "Vielleicht reicht es, wenn er hingeht und nur die Hand auf den Tisch legt", sagt Košinar. Das richtige Maß zu halten hilft auch jedem anderen dabei, Autorität zu gewinnen.

Wer vor die Massen tritt, gewinnt generell an Autorität, wenn er sich klar ausdrücken kann. Unverständliche Sätze sind Gift fürs Prestige. "Wir brauchen Mut zur Reduktion, weniger ist mehr", sagt die Medientrainerin Angela Michael. Wer zu viele Worte macht, wirkt umständlich – kein Zeichen von Selbstvertrauen. Wichtig sind ein ruhiger, sicherer Stand und die Bauchstimme: Sie zeugt von Überzeugungskraft. Problematisch sind Bärte. Der griechische Zeus und der christliche Gott mögen damit Autorität verkörpert haben. Wer hingegen heute authentisch wirken will, hat auch im Gesicht nichts zu verstecken.

Ferner muss man den Kontext berücksichtigen. Kleider und Ausstattung müssen stimmig sein. Wer mit gemogelter Größe Eindruck erwecken will, sollte bedenken, dass Plateausohlen – sobald sie entdeckt werden – wohl Abgrenzungsreflexe auslösen. Immer dann, wenn jemand nicht authentisch wirkt, versagt auch seine Autorität.

Oft kann man es nicht allen gleichzeitig recht machen. Fußballschiedsrichter leben ständig in dieser sozialen Extremsituation – und machen vor, wie man dennoch die Oberhand behält. Gute Referees lobt der Potsdamer Sportpsychologe Ralf Brand als wahre Meister der Selbstpräsentation. Sie verbergen ihr Inneres. Um die Autorität des Unparteiischen zu wahren, vermeiden sie alles, was Angriffsfläche bietet. "Übergewicht geht gar nicht", sagt Brand. Körperliche Dominanz aber ist ein Vorteil: Die Fifa zieht große Schiris kleineren vor.

Um die Spieler mit sonorer Stimme dominieren zu können, ließ ein deutscher Weltklasseschiedsrichter sogar seine Stimmbänder operieren. Eine zu hohe Stimme, so hatte er befürchtet, könnte seine Autorität gefährden – ein weiterer wichtiger Faktor. Das gilt für Frauen ebenso wie für Männer.