Die Frage: Markus und Katja sind Kollegen. Er ist ihr ein Rätsel. Markus sieht gut aus, ist freundlich und zuvorkommend – lässt aber keine Frau in sein Leben. Sie überlegt, ob er schwul ist. Als die beiden einander besser kennenlernen, scheint sich das Rätsel aufzulösen. Markus und Katja verbringen viel Zeit gemeinsam, manchmal schlafen sie miteinander.

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Dennoch hat Katja das Gefühl, einfach nicht richtig an Markus heranzukommen. Er habe gruselige Dinge erlebt, er sei beziehungsgeschädigt und von der Angst geprägt, wieder alles zu verlieren und am Ende sein Leben nur noch mit Psychopharmaka zu ertragen. Katja selber kennt das auch, obwohl sie bisher immer rechtzeitig die Flucht ergriffen hat. Darf sie Markus sagen, dass sein Rückzug sie stört, zumal er regelmäßig dann passiert, wenn Markus die Erotik mit ihr genossen hat?

Wolfgang Schmidbauer antwortet:  Gar nicht so selten ziehen sich Menschen an, die nach traumatischen Erfahrungen erotische Nähe ambivalent erleben: als Gefahr, die es zu meiden gilt, und als Erlösung, die für alle früheren Verletzungen entschädigt. Das erschwert die Navigation und erfordert besondere Sorgfalt. Katja sollte Markus offen sagen, dass sie mehr Nähe will und sein Rückzug ihr zu schaffen macht, aber sie sollte sich davor hüten, ihn zu entwerten.

Und Markus gibt der Beziehung eine bessere Chance, wenn er versucht, sich wie ein normaler Mann zu verhalten und seine Verletzungen nicht als Ausrede zu verwenden. Behinderte brauchen eine Umgebung, die sowohl ihre Beeinträchtigungen akzeptiert, ihnen aber auch möglichst viel Normalität abverlangt.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE .

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