Die Arbeitsministerin will es, die Bundeskanzlerin will es – und wer wollte den beiden widersprechen, dass es ein redliches Ziel ist, arbeitslose Alleinerziehende künftig besser zu unterstützen? Zwei Drittel der 1,8 Millionen sogenannten Ein-Eltern-Familien gelten als bedürftig; 640.000 Alleinerziehende leben von Hartz IV. Und dennoch sind die lautstarken Ankündigungen gleich aus zwei Gründen problematisch. Zum einen, weil die schwarz-gelbe Regierung bislang das Gegenteil von dem getan hat, was sie nun verspricht. Zum anderen, weil die Widersprüche in der staatlichen Familienpolitik größer und nicht kleiner würden, wenn der Staat begänne, Alleinerziehende gezielt zu fördern.

Dass Angela Merkel und Ursula von der Leyen nun ihr Herz für Alleinerziehende entdecken, überrascht schon, wenn man sich vor Augen hält, was Union und FDP zuletzt beschlossen haben. Die Koalition streicht für Hartz-IV-Empfänger ab 2011 das Elterngeld, eine Kürzung, die willkürlich ist und verständlicherweise als ungerecht empfunden wird. Außerdem trifft sie in besonderem Maße – Alleinerziehende. Das Argument der Regierung, Elterngeld sei nun mal Lohnersatz für pausierende Berufstätige, trägt nicht. Schließlich müssen Hausfrauen und Studenten keine Kürzungen hinnehmen, für sie gibt es wie bisher 300 Euro monatlich. Tatsächlich geht es beim Elterngeld immer auch um eine Anerkennung der Erziehungsleistung, wie die Bundesregierung kürzlich in einer Stellungnahme selbst betonte. Diese Anerkennung verdienen aber auch die allermeisten Single-Eltern.

Nun ist es nie zu spät, einen Fehler zu korrigieren. Auch nicht in der Politik. Doch die Regierung Merkel will die Kürzung beim Elterngeld nicht zurücknehmen, sondern Alleinerziehende an anderer Stelle zusätzlich unterstützen. Damit macht sie nichts besser, sondern den Schlamassel nur noch größer. Denn es ergibt keinen Sinn, wenn der Staat gleichzeitig die Ehe und die Single-Elternschaft mit dem Geld der Steuerzahler fördert, also zwei einander ausschließende Lebensformen. Wer die Ehe finanziell begünstigt – momentan ist das vor allem beim Steuerrecht und in der Krankenversicherung der Fall – muss damit leben, dass er diejenigen benachteiligt, deren Partnerschaften scheitern oder die wider Willen allein leben. Der Bund fürs Leben soll unterstützt werden, Trennungen erschwert – so ist nun mal die Logik dieses Instruments.

Andersherum wirkt jede Unterstützung für Single-Eltern als Anreiz, auf eine Ehe zu verzichten. Ein Beispiel dafür ist der Alleinerziehenden-Zuschlag bei der Steuer, den die Große Koalition einführte – oder eben auch besondere Hilfe im Jobcenter oder bei der Vergabe von Kita-Plätzen, wie sie Merkel und von der Leyen nun in Aussicht stellen. Wenn der Staat das Leben ohne Partner einfacher macht, erhöht er die Hemmschwelle, diesen Zustand zu beenden.

Ehepaare werden vom Staat bei vielerlei Fragen vom Miet- bis zum Beamtenrecht anders behandelt als Partnerlose mit oder ohne Kind. Was für eine Gratwanderung das für den Staat und seine Behörden bedeutet, zeigt sich bei den Hartz-IV-Empfängern. Leben zwei Langzeitarbeitslose in einer Bedarfsgemeinschaft zusammen, zahlt die Arbeitslosenversicherung weniger Unterstützung. Ob zwei Langzeitarbeitslose in einer Wohngemeinschaft zusammenleben oder in einer Partnerschaft, müssen Vertreter der Arbeitsagenturen in Hausbesuchen kontrollieren – mit dem Blick auf Kühlschränke (getrennte Fächer?), Betten (wie breit?) und Badezimmer (eine oder zwei Zahnbürsten pro Becher?). Als hätten sie nicht Wichtigeres zu tun. Als die Hartz-Gesetze in Kraft traten, zogen etliche Paare auseinander, um diesem Prozedere zu entgehen. Andere Arbeitslose heirateten plötzlich, weil die Arbeitsagentur den Krankenversicherungsbeitrag nicht mehr übernahm und man als Ehepartner beitragsfrei Kassenmitglied werden konnte.

Aus diesem Durcheinander führt nur ein einziger Weg: Der Staat muss seine Familienförderung völlig von der Frage lösen, ob und wie die Eltern sich arrangieren. Statt vieler schlecht abgestimmter Familientransfers sollte er eine Kindergrundsicherung einführen, die unabhängig von der Lebensform der Eltern ausgezahlt würde. Die meisten Familienforscher und -verbände fordern das seit Langem. Viele Grüne und Sozialdemokraten denken in dieselbe Richtung, weil sie glauben, dass der langsame Abschied von der klassischen Förderung der Ehe der Gleichberechtigung der Geschlechter dient. Auch den Liberalen müsste der Gedanke gefallen, dass der Staat weniger ins Privatleben seiner Bürger interveniert.

Auch wenn die Förderung von Alleinerziehenden gut klingt: Nicht die Eltern verdienen Unterstützung. Sondern die Kinder.