Als erstes Kind glücklich verliebter Eltern kam sie in einer schweren Zeit zur Welt. Es mangelte an allem. Die vornehmste Abstammung nutzte nichts, wenn es kaum etwas zu essen gab, und die hohen militärischen Ehren ihres Vaters konnten den Ofen in dem extrem kalten ersten Winter nicht heizen. Um seine rasch wachsende Familie zu ernähren, sattelte er um und handelte mit einem Luxusgut. Rückblickend sagte sie später, ihr habe es an nichts gefehlt. Damit meinte sie vor allem die Liebe und den Zusammenhalt ihrer Familie, denn aus materiellen Dingen machte sie sich nie viel. Sie war ein wildes Kind; angezogen wie ein Junge raufte sie, kletterte auf Bäume, ritt wie ein Indianer und fing Fische mit der Hand. Ihr Ehrgeiz beschränkte sich auf Sport, eine gute Schülerin war sie nicht. Den altertümlichen Disziplinierungsmethoden ihrer Lehrer trotzte sie mit hoch erhobenem Kopf. Nach einem mittleren Schulabschluss erhielt sie standesgemäß den letzten Schliff in zwei Auslandsjahren, von denen sie mit klaren Vorstellungen von ihrer Zukunft heimkehrte: ein Mann und ein Haus auf dem Land mit Kindern und Tieren.

Die Sache mit den Männern und den Frauen hatte sie schon früh fasziniert. Mit fünf Jahren trat sie ganz in Weiß bei einer Hochzeit auf. Und dann gab es die Geschichte ihrer Vorfahrin, die einen König verzaubert hatte. Immer wieder ließ sie sich von ihr erzählen. In der Pubertät war sie bei den Jungen sehr beliebt, denn sie war nicht zickig, sondern von sportlicher Neugier. Im Ausland hatte sie geübt – nun wollte sie es wissen. Und als sie ihren Zukünftigen zum ersten Mal sah, wusste sie, was sie wollte: den notorischen Damenbeglücker, der keine Treue kannte. Eine turbulente Beziehung begann, in der sie nach viel Herzeleid schließlich Gleiches mit Gleichem vergalt. Es blieb alles in einem kleinen Kreis, und wenn er eine alte Flamme wieder auflodern ließ, machte sie sich an deren Bruder heran. Verhängnisvoll, dass dieser sich auf Anhieb in sie verliebte. Ihn zu heiraten stand für sie nicht zur Debatte, und er war zu ängstlich, sie zu fragen. Er musste ins Ausland, seine Pflicht erfüllen, als er zurückkehrte, hatte sie ihren Casanova geheiratet. Ihr Mädchentraum sollte wahr werden, ein fremdgehender Ehemann kam darin allerdings nicht vor. So war es nur eine Frage der Zeit, bis der melancholische Liebhaber von ehedem wieder mehr wurde als nur ein Freund der Familie. Aktiv unterstützte sie seine Suche nach einer Frau. Als die gefunden war, trat sie bereitwillig zurück, blieb aber die Vertraute, die ihm in endlosen Telefonaten zuhörte, ihn verstand, ihn aufbaute. Ohne sie konnte er nicht sein. Und sie war verschwiegen. Und blieb es, als das Privatleben beider Paare zu einer Schlammschlacht in der Öffentlichkeit wurde, geführt mit skandalösen Indiskretionen. Darunter auch seine abgehörte Liebeserklärung: "Deine größte Leistung ist, dass du mich liebst." – "Das ist so leicht, wie vom Stuhl zu fallen", antwortete sie. Nach über dreißig ereignisreichen Jahren heirateten sie. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 40:
John Fitzgerald Kennedy (1917 bis 1963), der in Dallas, Texas, nach 1036 Amtstagen ermordete US-Präsident, stand als Kind im Schatten seines zwei Jahre älteren Bruders Joe. Nachdem Joseph Kennedy jr. 1944 als Pilot im Zweiten Weltkrieg bei der Explosion eines US-Bombers ums Leben gekommen war, schlug der an der Addison-Krankheit leidende John die politische Laufbahn ein, die der Vater sich für Joe erhofft hatte. Eigentlich hatte John F. Kennedy Autor werden wollen, 1940 wurde sein Erstling "While England Slept" Sachbuch-Bestseller, 1956 erhielt er für "Profiles in Courage" ("Zivilcourage") den Pulitzerpreis