In der Mode gibt es augenscheinlich eine Regel beim Wechsel von Sommer- und Winterkollektion: Sommers tragen die Herren helle Anzüge und die Damen fröhliche Kleider.
Dann wird es Herbst, und die Mode färbt sich um wie die Blätter. Jetzt dominieren gedeckte Farben. Wo gerade noch die sommerliche Erotik sprühen sollte, herrscht nun zurückhaltende Eleganz.

Etwas ganz anderes vermitteln allerdings die Damenhosen dieses Herbstes. Sie sind schillernd bunt bedruckt – als hätten die Designer den Sommer noch nicht ziehen lassen wollen, als hätten es ihnen die Stoffdrucke, die man in der Sommersaison auf den Kleidern leuchten sah, so angetan, dass sie einfach noch ein bisschen damit weitermachen wollten. So stattet Dries Van Noten Frauen mit indisch schimmernden Mustern aus, Isabel Marant bietet Stoffdrucke in Batik-Optik, und bei Proenza Schouler sehen die Stoffe so aus, als habe jemand in einer schwarzen Hose sein Schlafzimmer blau gestrichen. Wo ist der Winter bloß geblieben?

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In Wahrheit ist die Sache natürlich noch viel komplexer. Die Mode ist heute ein globales Geschäft, die Kunden sind überall auf der Erde verteilt, und irgendwo ist immer Sommer oder Winter. Zudem gibt es neben den Hauptkollektionen noch diverse Zwischenkollektionen, sie heißen Resort- und Cruise-Kollektionen und machen es gänzlich unmöglich, den aktuellen Standort in der Klimatabelle zu bestimmen. Die Modewelt befindet sich auf dem Weg in eine Art Dauerjahreszeit, in der es immer ein bisschen warm, ein bisschen kalt, ein bisschen erotisch, ein bisschen urban ist. In diese Jahreszeit passt die Hose besser als das Kleid.

Zudem ist schon seit Längerem zu beobachten, wie Leggings sich aus der Klamottenkiste der Achtziger herausbewegt und ihren festen Platz im Straßenbild erobert haben. Sie lassen sich bestens kombinieren – und betonen schlanke Beine, selbst wenn man sie gar nicht hat. Bislang waren die engen Beinkleider allerdings ein Basis-Kleidungsstück, schlicht und zurückhaltend. Etwas zum Unterziehen. Mit den neuen Aufdrucken rücken sie in den Mittelpunkt. Und lassen sich sowohl bei warmen als auch – etwa mit Wolle kombiniert – bei kalten Temperaturen tragen. Schließlich hält sich das Wetter auch nicht mehr an die Jahreszeiten.