1.Wie bedroht ist Deutschland?

Die Gefahr eines Terroranschlags in Deutschland sei nicht konkret, sondern abstrakt, hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärt . Das kann ein gutes Zeichen sein: Es gelingt Islamisten hierzulande nicht, Anschläge zu organisieren. Aber es kann auch ein schlechtes Zeichen sein. Es hieße dann: Die Planungen laufen bereits – nur die Sicherheitsbehörden bekommen davon zu wenig mit.

Deutsche Anti-Terror-Experten befinden sich seit Wochen in einer unangenehmen Situation. Es gibt Hinweise, dass das Terrornetzwerk al-Qaida in Europa "einen großen Anschlag" plant, manche in Berlin sprechen sogar von einem "sehr großen Anschlag". Anschläge wie etwa in London 2005 und Madrid 2004 hatten viele Experten al-Qaida in Europa zuletzt eigentlich nicht mehr zugetraut. Doch jetzt verdichten sich die Informationen aus diversen, unterschiedlich verlässlichen Quellen angeblich zu einem ähnlichen Szenario – eine koordinierte Attacke gegen mehrere Ziele.

Das berichtet etwa ein deutsch-afghanischer Islamist, der auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan festgehalten wird. Er war Teil einer "Hamburger Gruppe", die 2009 nach Pakistan reiste – und jetzt auch in Zusammenhang mit Anschlagsplänen genannt wird. Geheimdienstler verfolgten, so heißt es, zudem die Kommunikation von Islamisten von Pakistan aus mit Kontaktleuten in Großbritannien und Deutschland. Anderen Informationen zufolge ist ein Terrorkommando bereits nach Europa gereist. Aus einer weiteren Quelle heißt es, al-Qaida plane eine Tat wie in Mumbai, wo 2008 zehn Extremisten, aufgeteilt in Gruppen, 166 Menschen töteten.

Sicher ist nur: Solche Pläne werden unter Islamisten diskutiert. Sicher ist auch: Sie wollen Deutschland treffen. Die Frage ist aber, ob sie dazu in der Lage sind. Zur hiesigen Szene rechnet das Bundeskriminalamt (BKA) 400 Islamisten, davon 130 sogenannte Gefährder, denen Anschläge zugetraut werden. Das Problem der aktuellen Hinweise sei aber, heißt es in Berlin, dass keine Information über Täter oder Ziele bislang wirklich konkret sei. "Wir haben nichts zum Anfassen", sagt ein hoher Regierungsbeamter.