Um Leib und Leben müssen wir nicht fürchten, wenn jetzt vom globalen Krieg der Währungen die Rede ist. Eher schon um unseren Wohlstand. Wie gefährlich also ist der Showdown am Devisenmarkt?

Man muss sich einen Währungskrieg als globalen Verteilungskonflikt vorstellen . Jede Nation möchte sich durch eine gezielte Schwächung des eigenen Geldes Vorteile auf dem Weltmarkt verschaffen. Das verspricht Wachstum und Arbeitsplätze. Wenn der Krieg nach dem Wort des Generals von Clausewitz die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, dann ist der Währungskrieg die Fortsetzung der Wirtschaftspolitik mit anderen Mitteln. Genauer gesagt: Es endet die ökonomische Sphäre, in der vom Warentausch alle profitieren – und es beginnt die politische, in der die Gewinne des einen die Verluste des anderen sind.

Mit Wohlwollen wird im Ausland registriert, dass die deutschen Löhne steigen

China hat es in dieser Disziplin zur Meisterschaft gebracht. Die Währung des Landes ist rund 30 Prozent billiger, als sie es nach gängigen ökonomischen Kriterien sein sollte. Nur deshalb können die Chinesen ihre Waren im Ausland so konkurrenzlos günstig anbieten. Die Führung in Peking sieht darin ein legitimes Instrument, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Tatsächlich verdanken Deutschland und Japan ihren schnellen Aufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg einer ganz ähnlichen Politik.

Für eine Weile mag die Discountstrategie sinnvoll sein, langfristig aber ruiniert sie die Wirtschaft der Handelspartner – und zerstört damit in einer fast dialektischen Bewegung die Bedingungen des eigenen Erfolgs. Man kann es den jetzt schon überschuldeten Amerikanern nicht verdenken, dass sie so lange nicht warten wollen und sich gegen die chinesischen Manipulatoren zur Wehr setzen, indem sie ihrerseits den Dollar schwächen. Nur rufen sie damit andere Staaten auf den Plan, die nun um ihre Absatzmärkte fürchten und deshalb ebenfalls ihre Währungen frisieren.

Ein solcher Abwertungswettlauf kann nicht gewonnen werden. Es ist wie im Theater: Wenn einer aufsteht, sieht er mehr als die anderen. Wenn die anderen ebenfalls aufstehen, ist der Blick wieder versperrt. Die Gegenreaktion macht den anfänglichen Vorteil zunichte. 

Und sie kündet von Schlimmerem. Von der Währungsabwertung zum Handelskrieg ist es nur ein kleiner Schritt. Die Mechanismen der internationalen Kooperation leiden schon jetzt. Den G-20-Prozess , jenen von so vielen Hoffnungen begleiteten Versuch, die alten Industrienationen und die neuen Mächte an einem Tisch zu versammeln, hat der Wechselkursstreit in eine erste Krise gestürzt. Bei Bankenrettung und Finanzregulierung war die Gemeinschaft erfolgreich, weil nationale und globale Interessen ineinandergriffen. Jetzt kommt eine Zusammenarbeit nicht zustande, obwohl sich alle Beteiligten dadurch besserstellen würden.

Wie eine solche Zusammenarbeit auszusehen hätte, wissen alle: Die Welt müsste akzeptieren, dass die Amerikaner mehr Waren ins Ausland verkaufen, und ihr riesiges Handelsdefizit reduzieren. Durch eine Abwertung des Dollar allein wird sich das nicht bewerkstelligen lassen, doch sie würde dabei helfen. Weil sich Exporte und Importe aber, global betrachtet, immer zu null addieren, müssten die Nationen mit Exportüberschüssen im Gegenzug die heimische Nachfrage stärken.