Der Schlossherr trägt schwarze Gummistiefel und einen Dreitagebart. Sein Haar ist zerzaust wie ein Weizenfeld nach einem Gewittersturm, und seine schwarze Jacke hat schon bessere Tage gesehen.

Aber wir sind hier auch nicht im Château de Versailles, sondern im Château de Collonge, einem kleinen, sandsteinfarbenen Schloss aus dem 17. Jahrhundert, das tief im französischen Burgund liegt. Genauer gesagt mitten in Mâconnais, einer verwegenen Landschaft aus Weinbergen, wildem Strauchwerk und Blumenwiesen, auf denen cremefarbene Charolais-Rinder liegen und grasen.

Vor knapp zehn Jahren fanden Jean-Jacques Argueyrolles und seine Frau Valérie dieses Anwesen und zogen von Paris hierher, um mehr Platz für ihre Arbeit zu haben.

Im Speisesaal des Schlosses wachsen Zitronen.

Beide sind Künstler, kreieren Skulpturen aus Bronze, für die sie auf der ganzen Welt Abnehmer finden. Sie hat auf diesem Landsitz ihre Liebe fürs Yoga entdeckt, er seine Liebe für die Gestaltung von Möbeln. Was auch immer im Château zu sehen ist – Tische, Stühle, Betten und Waschbecken –, der Schlossherr hat es in seinem riesigen Atelier gleich hinter dem Hauptgebäude angefertigt. Auch die große Tafel im Kaminzimmer, an der die Gäste gemeinsam zu Abend essen, hat er entworfen. Aus Stahl und Holz.

"Meine Kunst ist schwer, aber man kann auf ihr tanzen", sagt er abends beim Aperitif, während Marie Elise das Essen zubereitet: eine Frau in den Vierzigern, blonde Strähnen, braune Knopfaugen, die sich nicht nur herzlich um die Gäste kümmert, sondern auch vorzüglich kocht.

An diesem Abend tischt sie fein pürierte Erbsensuppe auf, dann eine Pilztarte mit grünem Salat und schließlich Hase mit Pflaumen, Ratatouille und Ofenkartoffeln. Dazu gibt es einen Pinot noir. So klingt der Tag genüsslich aus. Man plaudert mit den anderen Gästen, die aus Paris oder von sonst wo angereist sind. Im Kamin knistert das Feuer, und draußen geht gerade die Sonne über den Weinbergen unter. Jetzt muss man nur noch zu seinem Zimmer finden.