Wenn an der TU Dresden wieder einmal die Plätze für den Studiengang Internationale Beziehungen (IB) vergeben werden, bewerben sich jedes Jahr etwa 700 Abiturienten – genommen werden aber nur 36. Damit liegt die Bewerberquote noch höher als im Fach Medizin und befindet sich auf Harvard-Niveau. Wer hier sein Studium beginnt, darf sich zur Elite zählen. Im Onlinenetzwerk für Alumni ist zu lesen, wo IB-Absolventen überall unterkommen: als Mitarbeiter der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den UN etwa, im Auswärtigen Amt, aber auch bei Wirtschaftsunternehmen wie der Boston Consulting Group und PricewaterhouseCoopers.

Es gab Zeiten, da war das Wort Auslese mit dem verachteten Wort Elite gekoppelt. Deutsche Universitäten kannten die ZVS, Auswahlverfahren galten als unfair und ungerecht, gut nur für die Ballett- oder Musikhochschule. Auslese war das jährliche Ritual an Hochschulen wie Stanford oder Yale, den haute écoles oder Oxford und Cambridge; Deutschland indes hatte das Gesetz, das jedem Abiturienten einen Studienplatz garantierte.

In Dresden dagegen kennt man das Auswahlprinzip, seit der IB-Studiengang dort im Wintersemester 1998/99 an den Start ging. Getragen wird der Studiengang vom Zentrum für Internationale Studien. Dort entscheidet jährlich eine Kommission über die Aufnahme der Studenten. Doch wie siebt man eigentlich aus, wenn unter den Bewerbern deutlich mehr 1,0-Abiturienten als Plätze vorhanden sind?

Gute Sprachkenntnisse seien Voraussetzung, heißt es in Dresden, auch Auslandsaufenthalte, meistens ein Austauschjahr in der Schulzeit, Praktika und soziales Engagement. Gute Allgemeinbildung, die Fähigkeit zur Analyse und Argumentationskraft werden in den Einzelgesprächen getestet. In einem Motivationsschreiben müssen die Bewerber erklären, warum sie genau diesen Studiengang besuchen wollen.

Wichtig ist aber auch: Die Studenten sollten nicht allein auf die Karriere ausgerichtet sein, ihre Teamfähigkeit ist so wichtig wie ihr Informationsstand in Bezug auf internationale Geschehnisse und Entwicklungen. Das 1,0-Abitur nützt nichts, wenn der Bewerber nicht erkannt hat, dass es sich beim IB-Studiengang nicht um ein reines Politikstudium handelt.

Der Studiengang fordert einiges: Neben Lehrveranstaltungen über das Völker- und Europarecht oder die US-Außenpolitik werden die Studenten in zwei Sprachen ausgebildet. Das ist einmalig nur in Dresden zu haben; St. Gallen wäre im deutschsprachigen Raum ein Modell, das diesem Vorgehen ein wenig ähnelt.