Als Christian Wulff im Sommer zum neuen Bundespräsidenten gewählt wurde, war das Medienecho groß. Und das nicht nur, weil er drei Wahlgänge dafür brauchte, auch sein Privatleben stand plötzlich im Fokus.

Mit den Wulffs ist erstmals eine echte Patchworkfamilie ins Schloss Bellevue eingezogen. Wulff ist geschieden und hat mit seiner ersten Frau ein Kind, mit seiner zweiten Frau ein zweites, und diese brachte noch eine Tochter in die Ehe. Eine zusammengewürfelte Familiengemeinschaft, die in Deutschland längst nicht mehr ungewöhnlich ist. Auch wenn es keine offiziellen Zahlen gibt, lebt laut einer aktuellen Umfrage des Familienministeriums etwa jede siebte Familie so zusammen wie die Familie des Bundespräsidenten – oder so ähnlich.

Jede Patchworkfamilie setzt sich anders zusammen, und sie unterscheidet sich darin, wie sie ihren Alltag organisiert. Etwa in der Frage, ob und wie sich Eltern und ihre Kinder absichern und für das Alter vorsorgen. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass sich der Bundespräsident angesichts seiner Pensionsansprüche darüber den Kopf zerbricht, doch längst nicht alle Patchworkfamilien, die sich damit beschäftigen sollten, überprüfen ihr Vorsorgekonzept. "Eine Patchworkfamilie ist mit besonderen emotionalen Herausforderungen verbunden. Es ist deshalb verständlich, dass die Familienmitglieder nicht zuerst an ihre Altersvorsorge denken", sagt Ulf Niklas, Geschäftsführer des Finanzplaners Niklas & Lehmann.

Dabei sollten im neuen Haushalt sofort alle Versicherungen auf den Prüfstand. "Es gilt schließlich, neben einer drohenden Unterabsicherung auch Doppelabsicherungen zu vermeiden", sagt Niklas. Denn die finanziellen Verhältnisse haben sich in der Regel für die neu entstandene Lebensgemeinschaft grundlegend geändert. "Bei Policen wie Hausrat-, Unfall- oder Haftpflichtversicherungen bietet sich an, den neuen Partner und die Kinder mit unterschlüpfen zu lassen, sodass man die andere Versicherung kündigen kann", sagt Stephan Gelhausen vom Verband der Deutschen Versicherungs-Wirtschaft (GDV). Da die gesetzliche und die betriebliche Absicherung weiterlaufen, sollten die Neu-Familien vor allem ihre private Altersvorsorge umplanen. Für Miriam Michelsen vom Finanzdienstleister MLP ist dabei vor allem eine Risikolebensversicherung ein wichtiger Baustein: "Es empfiehlt sich, diese über Kreuz abzuschließen – vor allem bei größeren Vermögen." Das bedeutet, dass bei der Police des Mannes dieser Versicherungsnehmer, Beitragszahler und Bezugsberechtigter ist, seine Partnerin dagegen die versicherte Person – und umgekehrt. Im Todesfall unterliegt die Zahlung damit nicht der Erbschaftsteuer, die dann normalerweise anfällt. Während der persönliche Freibetrag für verheiratete Paare oder eingetragene Lebenspartnerschaften bei 500.000 Euro liegt, beträgt der Freibetrag bei nicht verheirateten Paaren lediglich 20.000 Euro – es sei denn, die Versicherung wird gekreuzt.

Auch über eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollten die Lebenspartner nachdenken. "Das ist die wichtigste Versicherung", sagt Gelhausen vom GDV. Wer seinen Beruf nicht mehr ausüben könne, könne auch seine Familie nicht mehr versorgen. Dabei gelte: "Früh abschließen und eine möglichst hohe Summe vereinbaren." Der Schutz sei zwar nicht billig, diene aber dazu, den Lebensstandard zu erhalten. 2001 strich der Staat die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente für alle, die nach dem 31. Dezember 1960 geboren wurden, und ersetzte diese durch neue Erwerbsminderungsrenten. Seither zahlt der Staat laut GDV nur noch 38 Prozent des letzten Bruttogehalts. "Wir empfehlen aber nicht nur eine Police für den Versorger, sondern auch für den Partner, der sich um die Kinder kümmert", sagt Michelsen. Soll eine Hausfrau gegen Berufsunfähigkeit abgesichert werden, sind die maximal versicherbaren Rentenhöhen zu beachten, die je nach Versicherer zwischen 600 und 1500 Euro monatlich schwanken. Und auch mit der Riester-Rente sollte sich die Patchworkfamilie beschäftigen. Zwar können auch nicht erwerbstätige Frauen über ihren sozialversicherungspflichtigen Ehemann riestern und mit einem eigenen Vertrag alle Zulagen kassieren. Die Voraussetzung ist aber, dass beide verheiratet sind. Wenn nicht, muss die Riester-Versicherung eventuell aufgestockt werden.

Gut überlegen sollten sich Familien die vorzeitige Kündigung einer privaten Rentenversicherung: "Meistens ist eine Beitragsfreistellung ökonomisch attraktiver als eine Kündigung", sagt Vorsorgeplaner Ulf Niklas. Schließlich gehe ein Großteil des angesparten Kapitals durch die Auflösung verloren. Auch deshalb empfiehlt Niklas, die Altersvorsorge flexibel aufzubauen und das Kapital nicht ausschließlich in festen Versicherungsverträgen zu binden. Allerdings breche die persönliche Altersvorsorge auch nicht gleich zusammen, wenn entgegen der üblicherweise verbreiteten Klischees aus Finanzvertrieben ein oder zwei Jahre Ansparzeit verloren gingen, bis sich alle Familienmitglieder an ihre neue Lebenssituation angepasst hätten.