Weit oben am Bug der Queen Elizabeth befindet sich ein eiserner Schwenkarm, gebaut nur für einen Zweck und einen einzigen Einsatz. An ihm wird jetzt eine Dreiliterflasche Bordeaux befestigt – der Taufwein für das Kreuzfahrtschiff, das bald zu seiner ersten Fahrt auslaufen wird. Noch liegt es im Hafen von Southampton, umkreist von Schnellbooten mit Fotografen und Polizisten. Auf der Tribüne erheben sich die Ehrengäste; die königliche Limousine rollt an den Pier.

Dass die Queen persönlich zur Taufe erscheint, hat Tradition. Sie war schon als Prinzessin zugegen, als 1938 die erste Queen Elizabeth den Transatlantikdienst aufnahm, und ebenso 1967, als die legendäre QE2 vom Stapel lief. Die Reederei Cunard verstand sich stets auf eine gewisse Nähe zum Staat, zuletzt mit Schiffseinsätzen im Falklandkrieg.

Die englische Königin betrachtet im Queen's Room des Schiffes ihr Porträt

Freilich haben die Zeiten sich geändert; Cunard gehört längst zu einem amerikanischen Kreuzfahrt-Imperium, und das jüngste Schiff der Flotte wurde in Italien gebaut. Es ist weniger riesenhaft als Queen Mary 2 und beansprucht auch sonst keine Superlative. Die zwölf Decks sind im Stil des Art déco gestaltet. Viel Holz, aber auch viel Kunststoff, was man mit den neuen Brandschutzbestimmungen erklärt. Die 1034 Passagierkabinen sind weit gestaffelt, von der engen Innenkabine bis zur Suite mit Butlerservice. Um der sozialen Durchmischung Grenzen zu setzen, entscheidet die Buchungsklasse darüber, in welchem der drei Hauptrestaurants man speist.

Mit der Queen Elizabeth will Cunard am boomenden europäischen Kreuzfahrtgeschäft teilhaben. Der angekündigte "internationale Appeal" zeigt sich aber nur sehr verhalten: mit einer feinen, aber kleinen Einkaufspassage und einer Reihe von Spielautomaten mitten in der Lobby. Ansonsten geht es dort sehr englisch zu, mit einem rüschigen viktorianischen Theater, einer zweistöckigen Bibliothek und einem gemütlichen Pub. Nicht zu vergessen das Croquetfeld auf dem Vergnügungsdeck. Und natürlich die Königin, die als Ölgemälde traditionellster Machart zusteigende Passagiere begrüßt.

Die Schiffsbesucher konnten auf dem Bildschirm verfolgen, wie die vierundachtzig Jahre alte Monarchin beim Rundgang ihr Abbild betrachtete. Nun entsteigt sie dem Rolls-Royce, tritt ans Rednerpult und drückt einen Knopf. Fünfzig Meter über ihr schwenkt der Schwenkarm; die Flasche zerbricht auf dem Buchstaben Q. Einen Tag später läuft die Queen Elizabeth zu ihrer Jungfernfahrt nach Madeira aus. Nach Hamburg kommt sie erstmals im Juli 2011 zu einer Fahrt nach St. Petersburg und danach im Januar 2012 für eine Weltumrundung.