An der Fakultät in Bremen hat sich die Frauenquote sowohl der Studenten als auch der Dozenten in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Doch am Problem, dass zu wenig Frauen sich für ein technisches Studium interessieren, kann dies nichts ändern. "Für eine Firma ergibt es wenig Sinn, Produkte für einen vielfältigen Markt mit vielen weiblichen Kunden nur von Männern entwickeln zu lassen", sagt Susanne Ihsen, Professorin für Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften an der TU München.

Dass nur wenige Frauen Informatikerin oder Ingenieurin werden wollen, habe aber wenig damit zu tun, dass Frauen von Männern diskriminiert würden. Das Problem liegt Ihsen zufolge anderswo. "Es gibt in der Arbeitswelt, in Hochschulen, in Schulen heute immer noch Traditionen und Stereotype, die Frauen und Männer unterschiedlich bewerten. In denen es eben kein Normalfall ist, dass eine Frau in einem technischen Beruf arbeitet und vielleicht auch eine Führungskraft ist." Doch genau das sei wichtig. Gäbe es mehr solcher weiblichen Vorbilder, würden wahrscheinlich mehr junge Frauen Informatik oder Maschinenbau studieren. 

Ein weiteres Problem ist, dass die Vorstellungen über den Arbeitsalltag von Informatikern oder über die Abläufe in Ingenieurberufen oft zehn, zwanzig Jahre alt sind und mit der aktuellen Praxis kaum etwas zu tun haben. Auch deshalb würden nur wenige junge Frauen sich für einen "Männerstudiengang" wie etwa Maschinenbau entscheiden, sagt Ihsen. Doch es gebe auch andere Gruppen, die sich schwer für solche Fächer begeistern lassen. "Wir erreichen auch viele nicht, die sich neben Technik noch für andere Themen interessieren, zum Beispiel für Kunst oder Musik. Das gilt für Frauen wie für Männer."