Geht alles gut, verleihen die Banken das Geld in Form von Krediten an Unternehmen und Haushalte weiter, Konsum und Investitionen ziehen an. Auf dem Höhepunkt der Krise hat das funktioniert und – so ein internes Papier der Fed – "eine Wiederholung der Großen Depression verhindert". Jetzt soll die Wiederholung der Notstandspolitik eine Dauerkrise verhindern.

Das Problem: Die Banken schwimmen längst im Geld, und niemand will es haben. Die Haushalte sind so überschuldet, dass sie keine zusätzlichen Konsumkredite aufnehmen können. Und die Firmen investieren nicht, weil sie wegen der schwachen Konjunktur fürchten, ihre Waren nicht loszuwerden. Nach Schätzungen der Rating-Agentur Moody’s horten die amerikanischen Firmen bereits eine Billion Dollar in bar. Allein der Technologiekonzern Cisco hält Reserven in Höhe von 40 Milliarden Dollar – cash. Die üblichen Kanäle, über die eine Notenbank Einfluss ausüben kann – in den USA sind sie weitgehend verstopft. Vergebens, so Marco Annunziata, Chefökonom der italienischen Großbank UniCredit, sei die Hoffnung, mit frischem Geld lasse sich "Wachstum kaufen". 

Dafür richtet es jede Menge Schaden an – vor allem im Ausland, wo Bernankes Bergpredigt vom Sommer mit Entsetzen zur Kenntnis genommen wurde. Was von Peking bis Berlin für Unruhe sorgt: Bringt die Fed mehr Geld in Umlauf, sinkt die Verzinsung von Wertpapieren wie amerikanischen Staatsanleihen. Weil die Investoren die Entscheidung der Fed vorweggenommen haben, durchkämmen sie schon seit einigen Wochen auf der Suche nach ein paar Prozentpunkten mehr Rendite die Finanzmärkte. Sie verschieben Kapital von den USA nach Brasilien, Indien, Südkorea oder Südafrika, wo die Zinsen höher sind. Die großen Banken und Finanzhäuser leihen sich sogar extra Geld in den USA und legen es in den Hochzinsländern an, um am Zinsunterschied zu verdienen.

Die Geldschwemme nährt Blasen an den Immobilien- und Aktienmärkten und treibt – ein Problem für die Exporteure – den Kurs der Währung nach oben. Hektisch werden bereits Dämme gegen die Geldflut errichtet. Brasilien hat Abgaben für ausländische Anleiheinvestoren eingeführt, Indonesien will kurzfristige Anlagen verbieten, und Südkorea erwägt eine Finanztransaktionssteuer. Doch der Kapitalstrom lässt sich nur schwer bändigen.

Auch für die Europäer bedeuten Bernankes Pläne Ungemach. Deutschland kann einen starken Euro verkraften, die schwachen Südländer der Euro-Zone aber haben damit ihre Schwierigkeiten. Um eine Aufwertung der Einheitswährung zu verhindern, muss EZB-Präsident Trichet womöglich die Zinsen länger niedrig halten, als es für Europas Wirtschaft gut ist. In der Bundesbank und der EZB goutiert kaum jemand den Kurs der Fed, auch wenn man sich in der Öffentlichkeit zurückhält.

Nicht jeder allerdings, der sich jetzt beschwert, hat auch gute Argumente. Gegenüber der chinesischen Währung etwa ist der Dollar viel zu teuer, weil die Regierung in Peking den Devisenmarkt manipuliert, um den Export zu fördern. Wenn die Fed den Dollar schwächt, dann sorgt sie nur für eine faire Bewertung. Doch es trifft eben auch Unschuldige. "Wir bürden der Welt enorme Lasten auf", so Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz.

Dass Bernanke von seinem Plan abweichen wird, ist unwahrscheinlich – er dürfte es wohl auch gar nicht. Das Statut der Fed schreibt ihr vor, für stabile Preise und eine niedrige Arbeitslosigkeit zu sorgen. In den USA, nicht im Rest der Welt.