ZEIT: Dann war das Hochdeutsche eine Art Flucht auf einen anderen Planeten, einen Planeten, der nur Ihnen gehörte?

Abonji: Es war einfach ein anderer Ort des Ausdrucks. Ich habe das gesucht. Ich habe es gebraucht.

ZEIT: Wann wissen Sie, ob ein Satz stimmt?

Abonji: Definitiv weiß ich es erst dann, wenn ich ihn laut lese.

ZEIT: Haben Sie das Gefühl, dieser Erfolg, der sich nach dem Deutschen Buchpreis eingestellt hat, wird Sie verändern? 

Abonji: Nein. Im Moment spüre ich vor allem, dass ich wenig Zeit habe, dass ich nicht zum Schreiben komme, das schmerzt. Aber ich habe mir jetzt eine zeitliche Limite gesetzt. Bis im Frühling werde ich diesen Preis weiter abarbeiten. Und dann will ich ganz konzentriert an einem Text weiterschreiben, den ich angefangen hatte, bevor das alles passierte. Ich möchte keine Geschichte erzählen, ich möchte vor allem Sprache erfinden. Ich möchte meinen Text lesen und entzückt sein. Sodass ich sage: Das ist sprachlich etwas Innovatives. An meiner Sprache kann ich jahrelang arbeiten, an einem Thema nicht.

ZEIT: Was waren die Bücher, die für Ihre Sprache bestimmend waren?

Abonji: Marieluise Fleißer war für mein erstes Buch bestimmend. Und für das jetzige ist es W.G. Sebald. Seine langen Sätze, auch wenn sie anders lang sind als meine. Und Christoph Ransmayrs Morbus Kitahara, der arbeitet seine Charaktere heraus wie kaum ein anderer.

ZEIT: Und Schweizer Autoren?

Abonji: Klaus Merz. Die Verdichtungskunst eines Klaus Merz hat für mich etwas Unglaubliches.