Das Problem fängt schon bei den Begrifflichkeiten an. "Community Outreach, Service Learning, Social Entrepreneurship, übersetzen Sie das mal auf Deutsch", sagt Volker Meyer-Guckel, stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft . So fremd die Wörter klingen, so fremd war den deutschen Hochschulen lange auch das, was sie umschreiben: eine gesellschaftliche Mission, die in den USA oder Großbritannien gleichberechtigt neben Lehre und Forschung getreten ist, als – um einen weiteren englischsprachigen Ausdruck zu bemühen – Third Mission.

Grob gesprochen geht es darum, dass Hochschulen aktiv das Leben mitgestalten in den Städten und Regionen, in denen sie zu Hause sind – dass sie Community Outreach betreiben. Indem Studenten als Teil ihres Uni-Seminars zum Beispiel der lokalen Diakoniestation dabei helfen, eine funktionierende Geschäftsstrategie zu entwickeln – das bedeutet Service Learning. Oder indem die Hochschule ihre Studenten ermutigt, selbst als soziale Unternehmer aktiv zu werden und zum Beispiel ein Kindernottelefon einzurichten (Social Entrepreneurship). Das alles klingt ziemlich hemdsärmelig-amerikanisch und widerspricht auf den ersten Blick dem in Deutschland immer noch viel zitierten Ideal des "Forschens in Einsamkeit und Freiheit", sprich: des Forschers, dem seine wissenschaftliche Erkenntnis und der Austausch mit seinen Kollegen genügen, als befänden sie sich mit ihren Universitäten irgendwo im freien Raum schwebend. Ein Ideal, das daher oft und gelegentlich etwas unfair mit dem "Elfenbeinturm" gleichgesetzt wird.

Dass die deutschen Hochschulen auf dem Boden ihrer Regionen gelandet sind, hat der Stifterverband in der ersten Überblicksstudie zur Third Mission in Deutschland herausgefunden: "Wir waren positiv überrascht von der Vielzahl an Projekten und Initiativen", sagt Meyer-Guckel. "Viele Schätze liegen da im Verborgenen, von denen oft nicht einmal die Hochschulleitung weiß." Aktivitäten hier und da, doch wenig Vernetzung zwischen den Aktiven, so lautet die erste Bestandsaufnahme. Deshalb hatte der Stifterverband zusammen mit der Stiftung Mercator auch gleich einen Hochschulwettbewerb ausgelobt, der das Entstehen solcher Strategien fördern sollte – und wurde wiederum überrascht von der Vielzahl der Bewerbungen. 78 Hochschulen haben sich insgesamt um die 1,2 Millionen Euro an Projektgeldern beworben, jetzt stehen die zehn Sieger fest, die es in die Endrunde geschafft haben.

In der Liste der Erfolgreichen finden sich vier Fachhochschulen (Dortmund, Münster, Neubrandenburg und München) und vor allem mittelgroße Universitäten (die Universitäten Augsburg, Regensburg, Kassel), dazu eine Privatuniversität (Zeppelin University). Zu den Ausnahmen zählen die großen Münchner Universitäten, die sich dem Antrag der Hochschule als Partner angeschlossen haben. Auch die jeweils weit über 30000 Studenten zählenden Universitäten Dresden und Duisburg-Essen stechen heraus. Und dennoch: Offenbar glauben viele Massenuniversitäten immer noch, auf das vermeintlich "weiche" gesellschaftliche Engagement angesichts knapper Ressourcen im Zweifel verzichten zu können. Sie unterschätzen im Gegensatz zu den kleineren Hochschulen den Vorteil, den die Third Mission ihrem Hochschulimage beschert – aber auch ihren Wert für Studenten und Forscher dank neuer Lernansätze und ungeahnter Gedankenanstöße.