Notsitzungen in Brüssel, Panik an den Finanzmärkten – und Deutschland im Zentrum der Kritik: Mit Wucht meldet sich die Euro-Krise zurück . Trotz milliardenschwerer Rettungsprogramme , trotz voluminöser Sparpakete. Wenn nichts geschehe, werde "die Europäische Union nicht überleben", warnt der sonst eher zurückhaltende EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy .

Tatsächlich liegt das alte Europa in den letzten Zügen – doch die Umrisse einer neuen Union werden bereits deutlich.

Die Deutschen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Schon im März skizzierte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in einem Zeitungsbeitrag seine Vorstellungen. Einen Europäischen Währungsfonds wolle er installieren. Mit der Möglichkeit, in Not geratenen Staaten zu helfen, sie aber auch in die Insolvenz zu schicken . Der Europäische Währungsfonds sollte für Europa sein, was der Internationale Währungsfonds für die Welt ist.

Die Idee wurde abgeschmettert und hat doch in ihrem Kern überlebt. Auf ihrem jüngsten Gipfeltreffen einigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU darauf, einen neuen "Krisenmechanismus" zu etablieren . Noch wird über die Details verhandelt, doch klar ist, dass Staaten mit Finanzierungsproblemen künftig auf Unterstützung der europäischen Partner zählen können. Die Währungsunion, das ist seit der Krise im Frühjahr allen Beteiligten klar, kann es sich nicht leisten, einen Staat einfach pleitegehen zu lassen. Zu eng sind die Volkswirtschaften inzwischen miteinander verflochten.

Im Gegenzug für Nothilfen werden die betroffenen Länder dazu verpflichtet, ihre Wirtschaft zu reformieren und den Haushalt in Ordnung zu bringen. Zudem müssen ihre Gläubiger – in der Regel sind das die Besitzer ihrer Staatsanleihen – damit rechnen, einen Teil ihres Einsatzes zu verlieren; wenn absehbar ist, dass sich die Schulden trotz Sparkurs nicht in den Griff kriegen lassen.

Das klingt auf den ersten Blick nach einem guten Deal für die Schuldennationen an der europäischen Peripherie. Denn bislang verbietet der EU-Vertrag – der entsprechende Passus wurde einst auf Druck der Deutschen eingefügt – kategorisch jede Art der Hilfe. Der im Frühjahr aufgespannte befristete Rettungsschirm würde deshalb vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe als Dauerlösung wohl nicht akzeptiert. Der neue Krisenmechanismus soll in Kraft treten, wenn der Schirm 2013 wieder zusammengeklappt werden muss.

Man könnte also sagen, dass die Bundesregierung den Südstaaten ein ganzes Stück entgegenkommt. Doch die sind alles andere als glücklich über die Pläne. Deutschland treibe ganze Länder "in den Ruin", beklagt der griechische Premierminister Giorgos Papandreou, und Portugals Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos moniert ein "Foul".

Der Grund für den Unmut: An den Finanzmärkten hat die Ankündigung einer künftigen Beteiligung der Gläubiger an den Krisenkosten schon heute zu panikartigen Reaktionen geführt. "Wir werden mit E-Mails bombardiert", heißt es in der Frankfurter Niederlassung eines großen amerikanischen Kreditinstituts. Ob amerikanische Hedgefonds, japanische Banken, arabische Staatsfonds: Alle fürchten sie plötzlich um ihr Geld und verkaufen die Anleihen gefährdeter Staaten. Immer häufiger werfen sie – sicher ist sicher – die Papiere anderer europäischer Länder gleich mit auf den Markt.

Damit wird es für diese immer schwerer, sich Geld zu leihen. Irland müsste für einen zehnjährigen Neukredit derzeit jährlich rund sechseinhalb Prozentpunkte mehr Zinsen bezahlen als Deutschland, in Portugal fünf Prozentpunkte. Nur mit Mühe konnte die Regierung in Lissabon in der vergangenen Woche Anleihen platzieren.