Mal reichen sie in einer Schulkantine das Essen aus, mal entfernen sie Graffiti, mal säubern sie den Park – die so genannten Ein-Euro-Jobber. Fast überall kann man sie finden. Auch dort, wo sie nichts zu suchen haben. Das meint jedenfalls der Bundesrechnungshof.

Denn Ein-Euro-Jobs sind keine gewöhnlichen Stellen, sondern Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Hartz-IV-Empfänger. Sie sollen Erwerbslose wieder ein Stück näher an das Berufsleben heranführen, jedoch keine normalen Stellen verdrängen. Nach einem internen Bericht des Bundesrechnungshofs geschieht aber genau das. Und zwar massenhaft. Gleichzeitig bescheinigen Arbeitsmarktforscher den Ein-Euro-Jobs: Als Brücke in reguläre Beschäftigung taugen sie nicht . Gleichwohl sind sie eines der am meisten genutzten Instrumente der Vermittler in den Jobcentern.

Zwischen 600.000 und 700.000 Menschen im Jahr stecken die Vermittler für einige Monate in eine "Arbeitsgelegenheit" (so die offizielle Bezeichnung). Derzeit sind 275.000 Ein-Euro-Jobber im Einsatz. Stimmen die Befunde der Rechnungsprüfer, dann geht mehr als die Hälfte einer Tätigkeit nach, die sonst ganz normale Arbeitnehmer ausüben. Mit dem Geld des Arbeitsamtes würde demnach reguläre Arbeit verdrängt. Das wäre ein teurer Spaß für die Steuerzahler, die Kosten für die Arbeitsgelegenheiten liegen bei 1,4 Milliarden Euro im Jahr. Noch ist die Prüfung des Rechnungshofs nicht abgeschlossen. Dazu fehlt die Stellungnahme des Bundesarbeitsministeriums. Die Untersuchung bezieht sich außerdem auf das Jahr 2009, inzwischen könnte sich einiges verbessert haben. Viel spricht nicht dafür.

Das Hauptproblem ist nicht einmal, dass die Arbeitsgelegenheiten selten in normale Beschäftigungen führen. Im Grunde ist das so angelegt. Ein-Euro-Jobs sind nur zulässig, wenn sie im öffentlichen Interesse liegen, nicht wettbewerbsverzerrend in die Wirtschaft eingreifen und es sich um Stellen handelt, die es sonst gar nicht gäbe. Kurzum, es sollen Beschäftigungen sein, die so weit weg sind vom normalen Arbeitsmarkt wie irgendmöglich. Dass sie kaum eine Tür in ebendiesen Arbeitsmarkt öffnen, ist also nicht verwunderlich. Es ist allerdings auch nicht ihr Hauptzweck.

Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, ob als Ein-Euro-Jobs oder wie früher unter dem Kürzel ABM, versprechen den geringsten Erfolg, wenn es darum geht, jemanden in reguläre Arbeit zu bringen. Das zeigen viele Untersuchungen. Man könnte mit diesen Angeboten vielleicht prüfen, ob jemand arbeiten will; nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit nutzt sie dafür aber andere Wege. Sinnvoll sind Arbeitsgelegenheiten daher nur für eine begrenzte Gruppe von Arbeitslosen: die fast Hoffnungslosen. Diejenigen, die trotz Aufschwungs überhaupt keine Chance haben, denen kein Vermittlungsangebot, kein Einstellungszuschuss, keine Gründerförderung, kein Trainingsprogramm und keine Umschulung hilft. Nur wenn alles andere ausfällt, bleibt als letzte Möglichkeit der Ein-Euro-Job. Er kann Menschen stützen, die lernen müssen, ihren Tag zu strukturieren, die isoliert sind oder die in ganz kleinen Schritten ihr Selbstwertgefühl aufbauen müssen. Diese Menschen gibt es, und sie haben alle Hilfe verdient.

Nur: Wenn jedes Jahr fast eine Dreiviertelmillion Arbeitslose in solche Programme gesteckt werden, bestehen Zweifel daran, ob das alles derart extreme Fälle sind. Besonders Jugendliche, warnen Arbeitsmarktforscher, landeten zu häufig in diesem untersten Netz. Sie müssen laut Gesetz mit irgendeiner Maßnahme bedacht werden, wenn sie arbeitslos sind. Vielleicht macht sich mancher Vermittler auch zu wenige Gedanken, oder ein Jobcenter versucht, seine Zahlen zu schönen (was nutzlos ist, weil Ein-Euro-Jobber zwar nicht als arbeitslos zählen, aber trotzdem in der Statistik zu finden sind).

Immerhin, vom nächsten Jahr an sollen in allen Jobcentern Beiräte darüber wachen, wo Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden. Das ist ein Fortschritt. Wahrscheinlich wird der allzu leichtfertige Umgang mit ihnen sich aber aus einem ganz anderen Grund erledigen: wegen des Sparpakets der Bundesregierung. Die Arbeitsverwaltung wird deutlich weniger Geld zur Verfügung haben. Vielerorts ist schon geplant, die Ein-Euro-Jobs zu verringern.