Sechs Monate lang zog die Castingshow sich hin, nun endlich hat Frankreich eine neue Regierung . Und siehe da, der Präsident, der doch die Knalleffekte liebt, hat sich diesmal nicht für eine bunte Truppe, sondern für eine Traditionskompanie entschieden. Von den Ministern der "Öffnung nach links" sind nur noch der unsichtbar gewordene Kulturminister Frédéric Mitterrand sowie Eric Besson geblieben, dessen Ministerium für Immigration und nationale Identität abgeschafft wurde; der Ex-Sozialist kümmert sich nun unter der Leitung der Wirtschaftsministerin Christine Lagarde um die nationale Industrie. Verschwunden sind auch die Ministerinnen mit sichtlichem Migrationshintergrund.

Die neue Regierung soll die Wiederwahl Sarkozys 2012 sichern. Trotz seiner verfallenden Umfrageergebnisse will niemand im rechten Lager das Risiko eingehen, einen anderen Kandidaten in Stellung zu bringen. Doch die Dominanz der Sarkozyisten über die Sammlungspartei UMP ist beendet. Stattdessen beginnt eine Doppelherrschaft: hier der unangepasste Störenfried mit seiner Gang, der ausdrücklich den "Bruch" mit der reformmüden Chirac-Ära und ihrem behäbigen Politikstil verkündet hatte, dort die kampferprobten Recken der alten Clans, die mit der staatskapitalistischen Elite des Landes verwoben sind; hier der Modernisierungszwang, dort das Stabilitätsinteresse.

Personifiziert wird dieser Gegensatz durch den Präsidenten und seinen neuen, alten Premierminister François Fillon . Der selbstbeherrschte Stoiker aus der Provinz hätte dem hyperaktiven Metropolitaner durchaus gefährlich werden können, also behielt Sarkozy ihn lieber im Amt und damit in greifbarer Nähe. Allerdings wird sich ihre Arbeitsteilung ändern. Der Herr ist schwächer, der Knecht stärker geworden, außerdem bekommt Sarkozy jetzt außenpolitisch viel zu tun: G8, G20, Nato, die notleidende Mittelmeerunion, alles Baustellen, die das Élysée nicht der neuen Außenministerin Michèle Alliot-Marie überlassen wird. Berlin stellt sich unterdessen auf den nunmehr vierten Europa- und Deutschlandminister binnen dreier Jahre ein.

Ludwig XIV. wird der Ausspruch zugeschrieben, eine Ministerernennung erzeuge vierzig Unzufriedene und einen Undankbaren. Die Rochade vom vergangenen Wochenende hat besonders im Lager der sogenannten Zentristen viel Unmut hervorgerufen. Einige der ihren waren Minister und mussten nun gehen. Sarkozys Wette: je weniger zentristische Minister, desto mehr Unterstützung von rechts. Außerdem gibt es in der Mitte nicht viele Wähler, dafür umso mehr Aspiranten auf eine Präsidentschaftskandidatur, die einander zur Freude Sarkozys zerfleischen können; unter ihnen sein Erzfeind, der Ex-Premier Dominique de Villepin.

Mag Sarkozy also geschwächt sein , seine Taktik wirkt plausibel: die eigenen Kräfte um sich zu scharen und durch demonstrative Entschlossenheit jene Wähler zurückzugewinnen, die der Politik nichts mehr zutrauen. Fragt sich nur, welches Projekt er ihnen anbieten will. Die Sanierung der öffentlichen Haushalte, der Schutz der französischen Industrie vor der Globalisierung und die Innere Sicherheit ergeben noch keine zusammenhängende Geschichte. Am Dienstagabend trat er vor das Fernsehvolk. Das war wie stets eine starke Nummer, von der nur die Bilder im Gedächtnis bleiben werden.