Sony ist diesen Sommer gestorben. Der Elefant hatte seinen Herrn um 30 Jahre überlebt, doch dann verschied er unerwartet im besten Dickhäuter-Alter. Sein Herr war der ehemalige jugoslawische Präsident Tito gewesen, er hatte Sony 1970 von Indira Gandhi geschenkt bekommen. Kurz davor musste der deutsche Naturschutzbund mehrere halb verhungerte Braunbären, Wölfe und einen Schneeleoparden retten, die in einem Privatzoo lebten. Der Zoo gehörte Kurmanbek Bakijew, dem Präsidenten Kirgisistans, der ihn nach seinem Sturz im April im Stich gelassen hatte. Wenn Patriarchen fallen oder sterben, trifft es eben oft die großen Tiere, die ihrer Herrschsucht dienten.

Die Nilpferde des kolumbianischen Rauschgiftkönigs Pablo Escobar sind die Ausnahme. Sie leben munter weiter, obwohl ihr Besitzer vor 17 Jahren in der Drogenhochburg Medellín im Kugelhagel des Militärs starb.

Wer nach dreistündiger Fahrt von Bogotá Richtung Medellín an Escobars einstiger Hacienda Nápoles aus dem Bus steigt, den erschlagen die brütende Hitze und das Brüllen der Dinosaurier. Die bis zu 20 Meter hohen Plastikmonster hatte der Drogenboss einst auf seinem Terrain verteilt. Heute ertönt aus Lautsprechern, was sich die Vermarkter des 600-Hektar-Geländes unter Dino-Geheul vorstellen. Dazu läuft im Refrain die Geschichte des Parks: "Zuvor ein Ort, an dem der Terror regierte, heute triumphiert hier der Staat."

25 Nilpferdkolosse leben inzwischen in den 16 Tümpeln, die ihnen der damals siebtreichste Mann der Erde eingerichtet hatte. Prächtig. Als der aufsteigende Provinzgangster 1981 sein Landhaus und sein Tierreich ausbaute, waren es nur vier gewesen: ein Männchen und drei Weibchen. Zusammen mit Kamelen, Zebras und Giraffen hatte er sie aus dem Zoo von San Diego in Kalifornien einfliegen lassen – Schmuggelware in Herkules-Transportmaschinen. Das war großer Stil und nicht ganz so große Tierliebe.

Denn aus dem Park starteten auch Escobars Flugzeuge mit dem Kokain; zeitweilig herrschte er über 80 Prozent des weltweiten Kokaingeschäfts. Pablos Großwild produzierte damals den Dung, um die Drogenspürhunde an der Nase herumzuführen. Die Piste sieht noch aus wie früher, nur das Schild "Achtung!" haben fünf Kugeln durchsiebt.

Escobar ist tot, seine Nilpferde aber sind für die Behörden ein unkontrollierbares Problem. Einerseits gehören sie zu den Attraktionen des Geländes. Die Gemeinde hat das Gebiet an eine Privatfirma verpachtet, die Escobars verfallenes Reich in ein Drogen-Disneyland verwandelte. Andererseits fürchten Beamte und Bewohner der Region, dass sich die Hippos wie Narcos, die Rauschgifthändler, ausbreiten und die Gegend unsicher machen.

Oberdan Martinez Rosco, Manager des Geländes, lüftet den Rangerhut und wischt sich die Stirn. Zum einen, sagt er, seien das hier die einzigen Nilpferde Lateinamerikas. Zum anderen habe man das Terrain gepachtet, nicht die Tiere – deshalb müsse sich der Staat um sie kümmern. Das tat er aber erst, nachdem das Drama mit Pepe passiert war. Pepe hatte mit anderen Alphatieren um die Vorherrschaft in der Herde gestritten und verloren – ganz so wie auch Narcos im Drogenkrieg. Er zog an einen Weiher, in dem die Menschen Wäsche wuschen und badeten. Da sie Pepe fürchteten, starb er wie einst Pablo durch die Kugeln des Militärs. Die Tierschützer tobten, das Umweltministerium flog Ranger aus Südafrika und Tansania zur Beratung ein. Was tun, wenn ein neuer Machtkampf in den Tümpeln der Nachwelt von Escobar ausbricht?

Schießen? Es sind friedliche Pflanzenfresser, gibt Oberdan Martinez zu bedenken. Sterilisieren? Dafür müsste man sie fangen. Und für den normalen Schuss mit einer Betäubungsdroge ist ihre Haut zu dick. Wäre das Geschoss stärker, würden sie abtauchen, unter Wasser einschlafen und sterben. Einzäunen? Starkstrom oder Metallmauern um die Seen wäre zu teuer. "Es ist eine äußerst komplexe Situation", schließt Señor Martinez, "aber wenigstens diskutieren wir das Problem jetzt auf nationaler Ebene."