"Kids club" nennen sie im Kanzleramt die drei Ressortchefs unter vierzig: Familienministerin Kristina Schröder (CDU), 33, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), 38, Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), 37. Bei Kabinettssitzungen nehmen sie am großen ovalen Tisch nebeneinander Platz – in der "kids corner", wie andere Minister spotten.

Alle drei hat man schon mit der Frage genervt, wie viel Lebenserfahrung ein Minister brauche – Schröder, die Jüngste, allerdings besonders häufig. Kann eine kinderlose 33-Jährige eine gute Familienministerin sein? Schröder versuchte, als Stärke zu definieren, was als Schwäche galt: In der Familienpolitik propagiere jeder gern sein privates Modell und verteidige die eigene Biografie. Da sei es ein Vorteil, wenn eine Ministerin alle anspreche, weil sie (noch) keiner Fraktion angehöre.

Kristina Schröder will eine Familien- und Frauenministerin sein, die sich wenig einmischt, weder in die private Lebensplanung von Männern und Frauen noch in die Personalplanung der Unternehmen. Man kann das als Zeichen sympathischer Bescheidenheit, altersbedingter Unsicherheit oder auch als Folge ordnungspolitischer Grundüberzeugungen deuten. Fest steht: Kristina Schröder wagt manchmal forsche Interviews, zuletzt einen öffentlichen Schlagabtausch mit Alice Schwarzer, aber sie macht keine forsche Politik.

"Wahlfreiheit" ist eine ihrer Lieblingsvokabeln, alles Missionarische ist ihr fremd. Sogar die Kanzlerin musste ihr schon Mut zusprechen. Beim ersten längeren Gespräch riet Angela Merkel Schröder, nicht zu viel darüber nachzudenken, ob jede ihrer Ideen wohl auch dem Wirtschaftsflügel der Partei gefalle. Das habe sie als Frauen- und Jugendministerin früher auch nicht gemacht.

Doch was die Rolle des Staates angeht, tickt Schröder liberaler als viele aus der FDP. Zu beobachten ist das beispielsweise bei der Jungenförderung, einem Lieblingsthema, über das sie ausführlich in fast jedem ihrer Interviews spricht: Weil Jungen mehr Schulprobleme hätten als Mädchen, müssten sie inzwischen gefördert werden. In Kitas und Schulen gebe es zu wenige Männer, dieser Mangel an Rollenmodellen sei für viele Jungen schlecht, insbesondere für die Söhne alleinerziehender Mütter.

Sie verlangt mehr männliche Erzieher. Aber sie will nichts dafür tun

Doch wenn Schröder am Mangel männlicher Erzieher etwas ändern wollte, müsste sie für eine bessere Bezahlung streiten. Männer achten bei der Berufswahl stärker auf das Gehalt als Frauen. Das liegt unter anderem daran, dass sie immer noch häufiger und selbstverständlicher davon ausgehen, im Laufe ihres Erwerbslebens mehr als einen Menschen ernähren zu müssen. Doch mehr Gehalt für Erzieher will Schröder angesichts der Finanzprobleme vieler Kommunen nicht fordern. Stattdessen fördert das Ministerium von kommenden Jahr an Modellprojekte mit dem lächerlichen Betrag von 14 Millionen Euro.