Es gab schon schlechtere Zeiten, um Hund zu sein: Früher mussten Hunde etwa ohne Luxus-Reinigungstücher mit Aloe vera auskommen, die ein glänzendes Fell versprechen. Es gab keine edlen Fressnäpfe aus Porzellan und keine Hundeleinen von Luxusmarken wie Hermès.

Natürlich gab es schon immer Hundenarren: Wilhelm II. ließ für seinen verstorbenen Kurzhaardackel Erdmann ein Grab samt Gedenkstein auf der Roseninsel im Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe einrichten. Aber bei aller Liebe für seinen Vierbeiner wäre der deutsche Kaiser wohl nie darauf gekommen, in einem Geschäft wie der Kölner Boutique "Zeitlos" einzukaufen. Dort gibt es modische Hundebetten von Versace und Seidenkleidchen mit Strassbesatz für den Yorkshire von Format.

Noch nie waren Hunde dem Menschen so viel wert – und wurden derart menschlich genommen. Das muss nicht sehr verwundern. Schließlich ist der Hund der beste Freund einsamer Menschen – und davon gibt es in unserer Gesellschaft genug. Sie werden immer jünger: überzeugte Singles, die irgendwann in keine Partnerschaft mehr passen, doppelverdienende Paare, die einen Ersatz für die ausgebliebenen Kinder suchen. Sie haben viel Liebe übrig – und viel Geld.

Hunde symbolisieren Treue und Wohlstand. Kein Wunder, dass sich auch die großen Modemarken immer mehr dem Hund zuwenden. New York veranstaltet neben der Fashion Week jetzt auch die Pet Fashion Week. Die italienische Traditionsmarke Tod’s hat den Magnum-Fotografen Elliott Erwitt für eine Ausstellung italienische Familien fotografieren lassen – mit jeder Menge Familienhunden. Und der Fotograf Bruce Weber packte für eine Moncler-Kampagne eine Horde Golden Retriever in schwarze Daunenjacken oder ließ sie Jacken aus Swimmingpools apportieren.

Die größte Modeerscheinung aber ist der Hund selber. Immer wieder tauchen bestimmte Rassen auf und gehen dann wieder unter. Der Dalmatiner war ein Modehund, dann kam der Weimaraner. Als die Handtaschen größer wurden, wurden die Tiere kleiner. Schließlich konnte man sie in die Tasche stecken, wenn sie nicht mehr laufen wollten. Erst war der Chihuahua verbreitet, dann der Mops – und neuerdings ist der deutsche Kurzhaardackel als Accessoire beliebt. Somit hat auch der Mann gewissermaßen einen Modehund. Ein Dackel lenkt den Blick unweigerlich nach unten. Dort muss man passend zum schönen Hund den schönen Schuh bereithalten. Und zwar für lange, lange Zeit. Schließlich werden Dackel bis zu 16 Jahre alt.