Sie wird wohl dieses Jahr auf vielen Wunschzetteln stehen, die Neuheit namens Kinect . In den Einkaufsstraßen sorgt sie seit Ende vergangener Woche für Aufsehen. Halbwüchsige hampeln vor Schaufenstern herum, in denen riesige Fernseher stehen. Eine Xbox-Spielkonsole ist angeschlossen, es läuft ein Videospiel zum Ausprobieren. Die Passanten können es mit ihrem Körpereinsatz durch die Scheibe hindurch steuern. Zwei Mädchen etwa spielen, ganz ohne Netz, Ball oder Schläger, eine Partie Tischtennis und schlagen Vor- und Rückhände ins Leere. Flup, flup, flupflup.

Dass die Bälle ankommen, dafür sorgen zwei Kameraaugen, die in einer schwarzen Plastikleiste auf dem Fernseher sitzen. Sie beobachten die Passanten, vermessen deren Körper und berechnen aus den Bewegungen (scheinbare) Flugbahnen.

Um eine Spielkonsole mit Gesten zu steuern (wie etwa die Wii von Nintendo), waren bisher Steuergeräte (Controller) notwendig, mit denen die Spieler in der Luft herumfuchteln. Rund 80 Millionen Wiis verkaufte Nintendo binnen vier Jahren. Konkurrent Sony (PlayStation) zog im Herbst mit dem Move -System nach, das ebenfalls Controller benötigt. Nicht hingegen bei Microsofts Kinect : Hier wird das von der Kamera erstellte Bild von einer Software analysiert, die 20 Schlüsselpunkte (wie Kopf oder Handgelenke) pro Spieler bestimmt. Damit lässt sich dessen Körperhaltung charakterisieren.

Kinect Dance Night - Spielen ohne Kabel und Knöpfe

Der Spieler im Wohnzimmer wird ähnlich (nur gröber) vermessen wie jene Hollywoodakteure, die sich in punkteübersäte Anzüge zwängen, um Animationsfiguren natürliche Bewegungen zu verleihen.

Bloßer Zeitvertreib? Ein weiterer jener zahllosen Reize, mit denen die Industrie unsere Freizeit ihrer Verwertungslogik unterwirft (schließlich setzt das 149 Euro teure Kinect -Gerät eine Xbox voraus und soll helfen, viele Kinect -Spiele zu verkaufen)? Ja, sicher. Aber hinter der Sache steckt noch mehr.

Binnen Stunden nach Erscheinen wurde das Spielzeug gehackt. Kaum stand es in den Läden, stellten Bastler Videos ins Internet . An einen gewöhnlichen Laptop ist Kinect da gestöpselt. Technikenthusiasten enträtseln Schritt für Schritt die Funktionsweise: Eine normale Webcam filmt ins Wohnzimmer hinein, in ihren Bildern sucht die Software nach Körperumrissen. Eine zweite Kamera erfasst im (unsichtbaren) Infrarotbereich die Raumtiefe, ähnlich wie eine Radarfalle, die aus der Zeitspanne zwischen Signal und Reflexion auf die Entfernung schließt. Die ersten PC-Treiber für Kinect kursieren bereits. Wer weiß, was sich findige Programmierer da für Anwendungen ausdenken werden!