Wie schnell sich der Zeitgeist dreht. In seiner Kairoer Rede 2009 verneigte sich Obama vor dem Islam und zeigte Israel den Rücken. Dann der Druck auf Netanjahu: keine Neubauten im Westjordanland und in Ostjerusalem, zurück an den Tisch mit den Palästinensern.

Jetzt kommen die Goodies en gros. Wenn Israel den Hausbau auch nur 90 Tage lang einfriert, gibt es 20 F-35-Kampfjets für lau , das Feinste, was Amerika zu bieten hat. Zudem will Obama im UN-Sicherheitsrat jeden Versuch der Palästinenser abblocken, einseitig die Anerkennung zu erringen. All das für einen Einmal-Stopp von 90 Tagen. Und für ein Versprechen, so lange den Fortschritt (nicht die Gesamtlösung) wenigstens ernsthaft zu proben.

Bestimmt enthält das Kleingedruckte Härteres, aber die Wende in der US-Politik ist dennoch wundersam – die Liebeserklärung, die auf die Fast-Entlobung folgt. Freilich werden Obamas Hoffnungen auch diesmal verfliegen.

Das hat nicht allein mit Israel zu tun, sondern mit einem hundertjährigen Konflikt um Land und Legitimität. Eigentlich weiß jeder, wie der Deal aussehen müsste. Israel kriegt die dicht besiedelten fünf (plus/minus) Prozent jenseits der Grünen Linie, Palästina wird mit israelischem Land entschädigt. Abbas kriegt das halbe Jerusalem als Hauptstadt, "Bibi" den Verzicht auf das Rückkehrrecht der Geflüchteten von 1948. Israel räumt alle anderen Siedlungen, die Palästinenser akzeptieren eine "Sicherheitspräsenz" auf ihrem Boden.

Alles sehr vernünftig, aber derzeit nicht möglich. Jede Regierung, die ein solches Papier unterschreibt, ist des Todes – Abbas durch die Kugel, "Bibi" durch Abwahl. Denn beide müssten nicht bloß Land aufgeben, sondern Träume. Den Traum vom biblischen Israel, dem eigentlichen Land der Verheißung. Den Traum vom "ewig ungeteilten Jerusalem". Stattdessen Albträume: Raketen, die Tel Aviv treffen, Bürgerkrieg gegen die Siedler. 

Nicht anders bei den Palästinensern. Sie kriegen Hebron, aber nicht Haifa, Jericho, aber nicht Jaffa – nicht mal den halben Laib. Sie dürfen nicht zurück. Sie müssen den jüdischen Staat als Nachbarn akzeptieren, obwohl sie ihm seit sechzig Jahren das Existenzrecht absprechen. Sie werden die militärische Oberaufsicht durch Israel und Jordanien hinnehmen müssen. Und die Zweiteilung in Gaza und dem Westjordanland.

Deshalb wird keiner abschwören, egal, wie hoch das Bestechungsgeld ist – was Obama wissen müsste. Was dann? Auch wenn’s weit hergeholt ist: "Wandel durch Annäherung". Der Teufelskreis wird nicht oben, sondern unten durchbrochen. Abbas hat den ersten Schritt schon getan: Er hat das Gewaltmonopol errungen, der Terror ist fast bei null. Jeder Kontrollposten, den die Israelis abbauen, schafft "menschliche Erleichterungen" und beflügelt das Wachstum (derzeit sechs Prozent). Jeder kleine Verzicht schafft doppelt so viel Vertrauen. Je besser das Verhältnis, desto mehr Zustimmung erhält die Regierung, wenn sie gegen renitente Siedler vorgeht.

Wenn da bloß nicht die Vetomacht der Friedensfeinde wäre. Eine Bombe hier, eine abgebrannte Moschee dort , und der Teufelskreis steht wieder.