Mit diesem Kleid fällt man nicht nur auf der Bühne auf. "Lanvin loves H&M", 199 Euro © Peter Langer

Wenn am 23. November die Lanvin-Kollektion von H&M in die Geschäfte kommt, wird vermutlich das Gerangel noch größer sein als bei den vorherigen Ausflügen ins hohe Design mit Karl Lagerfeld, Rei Kawakubo, Roberto Cavalli, Sonia Rykiel , Jimmy Choo und Viktor & Rolf. Bei "Lanvin loves H&M" öffnet sich eines der angesehensten Pariser Modehäuser den Massen. Dafür, dass an den Kleidern trotz eines Preises von 199 Euro reichlich Exklusivität haften bleibt, sorgt der Discounter schon mit dem Verkaufsritual.

Wer die Schweden-Version von Lanvin möchte, muss sich am ersten Verkaufstag morgens vor einer H&M-Filiale einfinden, um zu den ersten 320 Kunden zu gehören, die, jeweils mit einem Armband markiert, in Gruppen zu 20 Leuten 15 Minuten lang shoppen dürfen. Jede Kundin und jeder Kunde (es gibt auch eine kleine Herrenkollektion) darf nur ein Teil kaufen. Was bekommen sie? Die Kollektion von Lanvin-Chefdesigner Alber Elbaz bietet Outfits, die aussehen wie bizarre Blüten, Tüllexplosionen und mehrlagige Cocktailkleider mit wilden Rosenprints. Es sind viele Klassiker von Elbaz darunter: T-Shirts mit verspielten Applikationen, asymmetrische Schnitte, kühne Silhouetten. Sehr gelb, sehr rot, sehr pink und so glamourös, wie es eben geht, wenns nicht teuer sein darf.

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Die Kleider sind allerdings ganz anders als das, was Elbaz sonst seinen Kundinnen anträgt . Die neue Kollektion, die er in Paris gezeigt hat, ist nicht bunt, sondern spielt mit Haut- und Beigetönen und komplizierten Raffungen. Anders als bei H&M lässt sie die Frauen nicht wie Weihnachtsgeschenke aussehen. Die Frau, die in der Lanvin-Boutique kauft, kleidet Elbaz fürs Leben, die H&M-Kundin für eine Party – im Kaufhaus gibt es fast nur Abendgarderobe. Das wird vielen gefallen und ist doch eine verpasste Chance.

Denn Discountermode ermöglicht es auch weniger wohlhabenden Menschen, ähnlich gut auszusehen wie jene, die ein dickes Konto haben. Und dieses Prinzip ist umso erfolgreicher, je mehr Gelegenheit es gibt, die Teile zu tragen. Auf zwei Stücke aus Elbaz’ H&M-Kollektion trifft das tatsächlich zu: einen Wollmantel und einen Trenchcoat. Beide sind Teil der Herrenkollektion. Allerdings versöhnen die Mäntel mit dem ganzen Sortiment. Schließlich ist der Bedarf an guter Kleidung für den Mann viel größer.