Mitten im Programm macht die junge Kabarettistin Uta Köbernick eine Pause. Dann haucht sie ins Mikrofon: "Ich dachte: ›Jetzt kannst du mich haben! Nimm meine Hand, und küss mich!‹ Er aber rückte an seiner Brille und, tja, da war ›jetzt‹ schon wieder vorbei!" In Frankreich wäre das nicht passiert. Dort ist man nachsichtiger mit der Vergänglichkeit: Das französische Wort maintenant ist auch das Partizip Präsens des Verbes maintenir: wahren. Wie schön. Da verweilt eine Sprache, eine Kultur im Zauber der Augenblicke, anstatt die Gegenwart mit einem gezischten "Jetzt" zu verscheuchen. Im maintenant zu leben bedeutet, einfach mal die Augen zu schließen. Und gar nicht erst mitzukriegen, ob er, um Mut zu fassen, nun an der Brille rücken oder in der Nase bohren muss.

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