vergangenen Dezember aus Kopenhagen nach Bogotà zurückgekehrt. Kurz vor der Klimakonferenz in Cancun sieht die Kolumbianerin aber wieder "viel Raum für Fortschritte".

Klimadiplomaten brauchen Ausdauer, wie Leistungssportler müssen sie oft Misserfolge wegstecken. "Sehr frustriert", sagt Andrea Garcia-Guerrero, sei sie

Ein Grund sei die "Cartagena-Gruppe", ein offener Kreis von etwa 30 Staaten, welche die Blockade zwischen den reichen Verschmutzernationen und den Entwicklungs- und Schwellenländern brechen wollen. Diplomaten beider Seiten wollen sich für ein "ehrgeiziges, faires und rechtlich verbindliches Klimaschutzabkommen" einsetzen. Ein Mitglied der Runde, der Staatspräsident der Malediven, Mohamed Nasheed, beschreibt den neuen Ansatz so: "Ein Deal in Cancun soll nicht länger als Hindernis, sondern als Schub für das Wirtschaftswachstum betrachtet werden." Damit sprächen die Cartagena-Verbündeten für die Mehrheit der 192 Teilnehmer-Staaten. Die globale Mittelschicht wirbt für Vernunft. Ist das nur schöne Rhetorik – oder mehr?

Für Andrea Garcia-Guerrero ist es mehr. Vor fünf Jahren wurde die Dreißigjährige als Waldschutzexpertin für die kolumbianische Delegation angeheuert, gleich nach dem Forstwirtschaftsstudium in Florida. Heute leitet sie die Klimaschutzabteilung des Umweltministeriums. Es hat sie beeindruckt, dass sich in Kopenhagen vor einem Jahr erfahrene Klimaschutzemissäre über die Grenzen der offiziellen Verhandlungsgruppen hinweg zusammensetzten: Die informelle Ebene machte einen offeneren Umgang möglich. Deshalb hat Kolumbien im Frühjahr zu einer ersten Fortsetzung in der Küstenstadt Cartagena eingeladen. Zu den pragmatischen Vorreitern gehören einige Entwicklungsländer, Australien, die EU-Kommission und einige europäische Nationen, auch Deutschland.

In der Cartagena-Gruppe bemühe man sich, die Beweggründe der anderen Parteien zu verstehen und Gemeinsamkeiten auszuloten, sagt Garcia-Guerrero. Überdies, fügt sie hinzu, solle das Klischee vom untätigen Süden entlarvt werden. Dabei steht den Bewohnern Kolumbiens die Gefahr deutlich vor Augen. Von der karibischen Küste bis in die Höhen der Anden drohten fast alle Effekte des Klimawandels "unglücklich zusammenzukommen", sagt sie und beschreibt: Malaria und das Dengue-Fieber breiten sich aus aus. Fluten und Erdrutsche mehren sich, einige Gletscher könnten komplett verschwinden. Die Folgen der Erderwärmung würde nicht nur bedeutenden Ökosystemen Wasserquellen entziehen: Kolumbien gewinnt auch 80 Prozent seines Stroms aus Wasserkraft.

Ohnehin fordert das Wirtschaftswachstum immer mehr Energie, und da beginnen die Widersprüche. Denn am nächsten liegt es, die in Kolumbien reichlich vorhandene, aber klimaschädliche Kohle zu verbrennen. Sie ist zugleich ein wichtiges Exportgut; die CO2-Emissionen werden dann anderswo gezählt, zum Beispiel in Deutschland. Wenn aber dort die Kohle aus Klimaschutzgründen weniger nachgefragt würde, wie soll Kolumbien dann die Einnahmen ersetzen? Wie die bisher noch teuren Windkraftanlagen und Solarkraftwerke finanzieren? Auch solche Zukunftsfragen beschäftigten die Cartagena-Gruppe. Man habe, sagt Andrea Garcia-Guerrero, schon viele Vorschläge eingebracht, für die internationale Finanzierung des Klimaschutzes in Entwicklungsländern, die technologische Zusammenarbeit bei den erneuerbaren Energien, gerechte Minderungsziele.

Gewiss, in Cancun könnte sich der gute Wille der Cartagena-Staaten zwischen den Fronten der Mächtigen und Sturen rasch wieder verflüchtigen. Sorge bereiten der Kolumbianerin aber vor allem zwei Trends der globalen Debatte: Immer mehr Menschen glaubten, der UN-Prozess funktioniere sowieso nicht. Andere verglichen seine Komplexität mit Abrüstungsverhandlungen, er könne noch mindestens 15 Jahre dauern.