Die Maschine ist in Hamburg-Fuhlsbüttel gelandet. Die Kofferkulis vor dem Gepäckband sind ordentlich ineinandergeschoben. Nur mit dem Herauszerren klappt es nicht. Denn die Wägelchen kosten hier eine Leihgebühr, die in Form von Münzen zu entrichten ist. Der Fernreisende, der sich im Ausland vorsorglich mit Euro eingedeckt hat, muss seinen Koffer also selbst schleppen. Denn was ihm der Bankangestellte zu abenteuerlichen Kursen und mit atemberaubenden Kommissionen in London, Singapur oder New York auf die Hand geblättert hat, sind Scheine – neue, alte, kleine, große. Nur eines ist nicht dabei: Münzen.

Will der Fremde seine Reise nun mit dem Zug fortsetzen, scheitert er bereits am Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn. Der akzeptiert keine 50-Euro-Scheine. Was macht also der frisch Eingeflogene, der einen Anschlusszug kriegen muss und keine Zeit hat, sich in die Schlange vor dem Reisecenter am Bahnhof einzureihen? Schwarzfahren?

Dann lieber doch mit dem Taxi. Der Fahrer hat meinen Koffer schon in seinen klapprigen VW-Kombi gehievt. Vermutlich schätzt auch er große Scheine als Zahlungsmittel nicht sonderlich. Mir kommt ein Gedanke. Ich stürme in den Terminal zurück. Da ist sie nämlich: die Reisebank. Frohgemut lächle ich die Dame am Schalter an. Ob sie mir denn nicht, bitte, einen 500-Euro-Schein kleinmachen könnte? "Das kostet fünf Euro", schallt es zurück. Wie war das noch mal bei Bertolt Brecht? "Bankraub: Eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank." Das sage ich natürlich nicht laut.

Ich stecke den Schein wieder ein und setze mich hinter den Taxifahrer. Der drückt mir einen zerfledderten Stadtplan in die Hand. Ich möchte ihm doch bitte sagen, wo es langgehe. Na dann. Mit viel Blättern und Gestikulieren finden wir schließlich das Hotel. Wie erwartet, bricht der Fahrer angesichts meiner großen Banknoten in Gezeter aus, Gott sei Dank auf Serbisch, das verstehe ich nicht. Ich winke beschwichtigend und verschwinde im Hotel, wo die Rezeptionistin ohne Weiteres – und ohne Abzug – meinen Schein wechselt. Warum denn nicht gleich so? Da lobe ich mir Singapur. Dort kann der Kunde bei Louis Vuitton oder Cartier gelassen mit einem 10.000-Singapur-Dollar-Schein (rund 5000 Euro) bezahlen, ohne dass die durchgestylten Chinesinnen an der Kasse mit den künstlichen Wimpern zucken.

Szenenwechsel: Berlin, Kudamm. Nicht gerade die Straße der Bedürftigen, was die Anwesenheit von taktisch platzierten Bettlern unterstreicht. Hier schüttelt der junge Herr am Hoteltresen mit Blick auf die lila 500er-Scheine den Kopf und verweist mich auf die nahe gelegene Volksbank. Ich betrete das Gebäude. Die Dame an der Kasse beäugt mich über den Goldrand ihrer Lesebrille. Ob ich denn bei ihr ein Konto hätte? Ich verneine. "Eigentlich darf ich das nicht", sagt sie, wechselt dann aber doch meinen Schein. Ich bin erleichtert, aber begriffen habe ich nichts. Wie steht es denn nun eigentlich um die Annahmepflicht des Euro in unserer Republik?

Der Bundestag äußerte sich anlässlich einer Petition im Mai 2009 zu dem Thema wie folgt: "Gesetzliche Zahlungsmittel sind solche Zahlungsmittel, die in einem Währungsraum kraft Gesetzes von jedermann zur Begleichung einer Geldschuld akzeptiert werden müssen ( Annahmepflicht )." Unbestritten ist der Euro ein solches Zahlungsmittel. So weit, so gut. Doch zwei Paragrafen weiter heißt es: "Die währungsrechtliche Annahmepflicht von Euro-Bargeld wird jedoch von der zivilrechtlichen Vertragshoheit überlagert. Danach ist es einem Unternehmen möglich, Bedingungen, zu denen es einen Vertrag abschließen will, grundsätzlich frei zu bestimmen." Also: Jeder muss Bargeld annehmen – aber nur, wenn er will. Mit anderen Worten: Er muss nicht.

Nun gut, eine Tankstelle, ein Taxiunternehmer oder ein Toto-Kiosk mögen sich gegen 100-, 200- und 500-Euro-Noten sperren, aber eine Bank ist doch sicherlich verpflichtet, die immerhin nach ihr benannten Noten anzunehmen. Oder etwa nicht? Ich frage beim Bundesfinanzministerium und bekomme als Antwort: Banken, Sparkassen, Kreditinstitute und Finanzdienstleister sind Unternehmen wie andere auch. Infolgedessen kann jede Bank entscheiden, ob und in welcher Form sie Bargeld annimmt.