Bei Holzhäusern gibt es Klischees, die sich hartnäckig halten. Zum Beispiel dass sie einen Hang zur Biederkeit haben und buchstäblich hölzern aussehen. Dem Irrglauben des urigen Blockhütten-Looks wollte Herwig Danzer, Möbelmacher aus Unterfranken und selbst ein rustikales Kraftpaket, etwas entgegensetzen. Und so baute er bereits vor zehn Jahren mit Holz und Handwerkern aus der Region ein Musterhaus, das ein "modernes Antlitz" hat, wie er sagt. Außen blieb er zwar demonstrativ bei purer Lärche, innen tünchte er das Haus jedoch weiß und warf ihm quasi ein helles Laken über.

Noch heute wohnt Danzer mit seiner Familie in seinem Solitär auf der Hersbrucker Alb. Sein Holzhaus hat zwar über die Jahre Patina angesetzt, ist zugleich aber hochaktuell und ein Liebling der Kunden, die nach Danzers Vorbild der "Steinzeit" entkommen wollen. Gute Dämmung, angenehmes Raumklima, ein nachwachsender Rohstoff und somit ein ressourcenschonendes Bauen – all dies verbuchen Bauherren und Architekten auf der Plusseite von Holzhäusern.

Bei Ein- und Zweifamilienhäusern haben Holzhäuser hierzulande bis dato einen Marktanteil von rund 15 Prozent erobert. Bei einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstitutes Ipsos gaben sogar 42 Prozent der Befragten an, sie würden gern in einem Haus aus Holz wohnen. Nur noch vier Prozent meinten, Holz sei "spießig" und "altmodisch". Kein Zweifel: Holzbauten sind keineswegs mehr etwas für Außenseiter, sondern im Mainstream angekommen.

Während Holzbauer wie Herwig Danzer die wachsende Nachfrage eher im kleinen Stil bedienen und von Kunden ihrer Region bevorzugt werden, gibt es auch deutschlandweit tätige Branchenriesen wie die Firma Bau-Fritz aus Erkheim im Allgäu. Sie baut 180 bis 200 Häuser im Jahr. Kein anderer Anbieter schneidet in puncto ökologische Konsequenz so gut ab wie der Traditionsbetrieb. "Mit einem Tragwerk aus Holz ist es nicht getan", sagt Firmenchefin Dagmar Fritz-Kramer, deren Urgroßvater schon Holzhäuser in seiner Zimmerei baute. Für eine wahrlich gute Ökobilanz sollten die vier Wände auch in Sachen Dämmung, Heizung und Baustoffe punkten.

Bau-Fritz dämmt mit Spänen, die beim Hobeln abfallen, empfiehlt Holzpelletheizungen plus Solarunterstützung oder Wärmepumpen. Sogar Holzhäuser mit Mini-Blockheizkraftwerk im Keller haben die Erkheimer schon gebaut. Ihr Tipp lautet: "Macht euch unabhängig von fossilen Energien!"

Bau-Fritz zieht Kunden an, die aus einem Haus ökologisch das Optimum herausholen wollen und damit schon bei den Baustoffen anfangen – auf dass diese für Mensch und Umwelt unbedenklich sind. Um auf Nummer sicher zu gehen, laufen daher bei der Firma alle Materialien durch ein eigenes Labor. Ein Holzhaus ohne giftige Kleber und Schäume und mit nickelfreien Wasserhähnen kostet zehn bis fünfzehn Prozent mehr als sein konventionelles Pendant. Wem es allerdings vorrangig um ein energetisch optimiertes Heim gehe – sprich wer nicht in jedem Detail die ökologisch beste Lösung wählt –, der brauche nicht tiefer in die Tasche zu greifen als sonst, sagt Dagmar Fritz-Kramer.

Die gute Nachricht ist, dass der Staat und die staatliche KfW dieses Bauen fördern. Um bis zu 20 Prozent können Eigenheimbesitzer ihre Kosten reduzieren, wenn sie sich rechtzeitig um ordentliche Zuschüsse bemühen. Obendrein gibt es zinsgünstige Darlehen von Umweltbanken für Ökobauten.