Niemand, der ein Holzhaus will, muss darauf lange warten. Inklusive Innenausbau steht es nach zehn bis zwanzig Wochen. Zu den damit gerne verbundenen Irrtümern zählt die Vorstellung, dass Holzhäuser nicht unterkellert werden können oder große Fenster ein Tabu sind. Im Gegenteil, sagt Fritz-Kramer. Gerade auf der Südseite versprechen Fenster große Solareinträge, sprich: Es wird warm. Die Langlebigkeit wiederum hängt von Pflege und Wartung ab. Einige Pagoden in China, die zu den ältesten Gebäuden der Welt zählen, sind aus Holz.

Ein aktuelles Thema, dem sich die Szene stellen muss, ist die Frage nach der Herkunft des Rohstoffes, denn das Fällen von Wäldern ist eines der bedeutsamsten ökologischen Probleme weltweit. "Wir verbauen fast ausschließlich Hölzer aus Bayern", antwortet Dagmar Fritz-Kramer. Nur rund fünf Prozent stammten aus Finnland und seien gemäß dem PEFC, einem internationalen Programm für nachhaltige Waldwirtschaft, zertifiziert. Im Gegensatz zum strengeren Siegel des Forest Steward Council (FSC) gilt dieses Zeichen aber als weicher, vor allem was die Strenge der Kontrollen angeht. Dem höchsten Standard – und damit den eigenen Ansprüchen – hinke man in diesem Punkt "ein bisschen" hinterher, räumt die Firmenchefin denn auch ein, um dann flugs über heimische Lärche und Fichte zu reden und ihren Traum von einem Hochhaus. "Gesundes Wohnen im 34. Stock" nennt sie den auf den ersten Blick gespenstischen Plan für einen schmalen und hohen Himmelsstürmer aus Holz.

Abwegig ist die Idee für solch einen Wolkenkratzer jedoch nicht. Längst haben Holzhäuser die Stadt und im Zuge dessen auch luftige Höhen erobert. Geradezu revolutionär ist das siebengeschossige Bauwerk E3 in Berlin. Nach dem Entwurf der Architekten Tom Kaden und Tom Klingbeil entstand das bislang höchste Wohnhaus aus Holz in einer europäischen Innenstadt. Von außen gar nicht als Holzkonstruktion zu erkennen, zeigt es sich modern und ökologisch zugleich. Sieben Parteien wohnen darin, bei einem Jahresenergiebedarf von nur 30 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Das ist deutlich weniger als bei klassischen Neubauten und erst recht weniger als bei Altbauten.

Das Haus an der Esmarchstraße 3 – daher das Kürzel E3 – sei in Prenzlauer Berg ein Publikumsmagnet, sagt Architekt Tom Kaden. Der muss es wissen, denn er residiert mit seinem Büro gleich unten drin. So sei er zugleich eine Art lebende Beschwerdebox für die Bewohner, lächelt Kaden. Er wirkt ein wenig gehetzt, weil er gerade von einer Baustelle kommt. Nicht nur in Berlin, auch in Hamburgs HafenCity interessieren sich Bauherren für die Fortschritte bei Holzhäusern. Man dürfe dem Baustoff nur nicht zu viel zumuten, sagt der Architekt. Daher würden im E3 neben Holz auch geringe Mengen an energieintensiv produziertem Stahl und Beton eingesetzt.

Fragt sich, ob so ein hölzernes Implantat in der Stadt immer einen kubischen und kompakten Baukörper haben muss. "Noch so ein Irrglauben", antwortet Kaden. Geradezu avantgardistisch seien die sogenannten digitalen Schreinerarbeiten des japanischen Architekten Shigeru Ban. Solche hölzernen Häuser mit Flechtstrukturen oder Dächern, geformt wie ein Strohhut, erinnern allerdings ein bisschen an Disneyland. Green glamour, den einige Kritiker bei ökologischen Bauten noch vermissen, haben solche Skulpturen aber sicherlich.