Der Eiswart Norbert Jank an seinem Arbeitsplatz

Norbert Jank ist am See groß geworden. Der See ist seine Arbeit, seine Freude, sein Leben. Er nährt ihn, und Jank hält ihn dafür in Schuss, wenn die Kälte kommt. In gewisser Weise ist es ja sein See. Er hat ihn zu dem gemacht, was er im Winter ist. Ohne ihn wäre der See zwar da, aber nur die Hälfte wert. Die anderen Seen saufen im Winter ab, wenn es regnet oder zu viel schneit. Der Weißensee aber ist von Weihnachten bis März für Schlittschuhläufer befahrbar, weil Jank ihn befahrbar hält. "70 bis 80 Tage garantierter Eislaufbetrieb, wo gibt es denn so was sonst?", fragt Jank. Nirgendwo.

Und weshalb ist das so? Weil er, Jank, Träger des Ehrenzeichens des Landes Kärnten, obwohl viel in der Welt herumgekommen, nie woanders sein wollte als hier. Natürlich gab es Abwerbungsversuche, aus ganz Europa rufen sie ihn ja an und wollen wissen, ob bei ihnen das Eis hält. Jank erfragt dann stets die Größe des Sees, Außentemperatur, Eisstärke und -qualität. Wenn das Eis Fahrzeuge bis fünf oder sechs Tonnen tragen würde, spricht er von drei Tonnen, weil es in Eisdingen besser ist, auf der sicheren Seite zu stehen. Jank gibt bereitwillig Auskunft. Können auch vorbeikommen, die Leute, abschauen geht ja nicht, sie würden nie so viel sehen, dass sie seine Arbeit kopieren könnten. "Stecken ja 42 Jahre Vorarbeit dahinter", sagt Jank. Wie sollten sie das aufholen?

James Bond raste im Aston Martin über den See

Norbert Jank hat das Eis schon studiert, als die anderen es noch gar nicht als etwas Besonderes wahrnahmen. Als Ende der sechziger Jahre der Wintertourismus in der Region anfing, hat er mit dem Pferdeschlitten Touristen über den See gefahren. Hat bemerkt, wie die Spuren der Holztransporter dem Eis schadeten. Dass alles Dunkle, das auf dem Eis liegen bleibt – Baumrinde, Pferdeäpfel, Schmutz –, das Eis zerstört, da es die Wärme anzieht. Damals begann er "so ein gewisses Gefühl" für das gefrorene Element zu entwickeln.

Rund 10.000 Kilometer kurvt Jank im Winter über den See. Bis nach Naggl hinauf, dann die Kehre am Ronackerfels und wieder zurück. Schaben und kehren, kehren und schaben. Lange Tage mit klammen Fingern. Zieht 25 Kilometer lange Bahnen aus eisgrauen Streifen zwischen aufgeworfenem Schnee. Sägt unter der Brücke lange Kerben ins Eis, um eine Holzgitterkonstruktion einzulassen, die das Eis an kritischer Stelle stützt. Bohrt Tausende von Löchern, wenn es regnet, damit das Wasser abfließen kann. Bohrt auch, wenn das Eis noch dünn ist und zu viel Schnee gefallen ist. Denn was gemeinhin den Reiz einer Winterlandschaft ausmacht, ist des Eismeisters erklärter Feind: "Weg muss der Schnee, damit die Kälte aufs Eis kommt!" Damit die Kälte arbeiten kann.

Ein bisschen Schnee ist ja gut, ein Schutz gegen die Sonne, das Eis darunter bleibt ruhig. Denn je mehr es arbeitet, desto mehr Arbeit für ihn. Ist das Eis zehn Zentimeter dick und es schneit 20 Zentimeter drauf, kann Jank noch nicht mit schwerem Gerät räumen. Weil der Schnee isoliert "wie a Daunenjacke", das Eis also nicht wachsen kann, schneidet er mit der Motorsäge Tausende von Löchern ins Eis: Durch den Druckunterschied steigt das Wasser auf, durchnässt den Schnee, der auf ein Viertel seines Volumens zusammenfällt und sich innerhalb von etwa zwei Tagen komplett zu Schneeeis umwandelt – das er dann wieder mit dem Eishobel bearbeiten kann. Würde Jank nicht eingreifen, würde die Umwandlung von Schnee zu Eis gute zwei Wochen dauern. Aber so viel Zeit gibt es nicht. Nachtschichten stehen an. Die Läufer warten doch schon.

Natürlich, es ist harte Arbeit. Vor sechs Jahren haben sie ihm die Hüfte neu gemacht, weil die alte verbraucht war. Aber heute stemmt er schon wieder 50-Kilo-Säcke und springt über jeden Zaun. Zum Arzt geht er eigentlich nie, "weshalb sollte ich?" Die Maschine läuft doch auch so. Er lebt gesund. "Bin kein Weggeher." Raucht nicht, trinkt nicht, ein Glas Wein mal aus Höflichkeit, aber ohne Freude. Sein Getränk ist Spezi. Dafür wird er belächelt. Aber sollen sie nur. Das Gasthaus war nie seine Welt. "Natürlich habe ich auch viel versäumt", sagt Jank und schaut auf den See, aus dessen Tiefen erhabene Stille nach oben dringt, "...aber sicher nichts Wichtiges!"

Seit Jahrzehnten setzt man hier auf die landschaftsschonenden Wintersportarten: Langlauf und Eislaufen. Im Grunde hat man am Weißensee immer alles anders gemacht als in den Nachbarregionen. So empfahl eine Studie Anfang der siebziger Jahre den Bau einer Durchgangs-, einer Panorama- und einer Umgehungsstraße. Die Einheimischen aber lehnten ab, und statt einer "großen alpinen Weiterentwicklung" mit Liftanlagen machten sie Bau- zu Grünland, stellten weite Teile unter Naturschutz und investierten das Geld lieber in eine Kanalisation, die den See vor Abwässern schützte. Damals galten sie dafür als gestrig, heute beneidet man sie.

So richtig fing es mit dem Eislaufen erst durch James Bond an. Als 1987 auf dem Weißensee eine Verfolgungsszene für Der Hauch des Todes gedreht wurde und Timothy Dalton im Aston Martin über den zugefrorenen See raste, hatten die Filmleute gefragt: Wer kennt sich aus mit dem Eis? Anfangs haben sie Jank nicht vertraut, holten Sachverständige vom Eislaufverein Wörthersee sowie einen Gutachter aus Klagenfurt, einen Diplomingenieur, "einen Wichtel", wie Jank sagt, der mit eigenem Sekretär anreiste und dem Eis einen Schneeanteil von 20 Prozent attestierte. Jank, der es besser wusste, sägte kurzerhand einen Eisblock heraus und fragte: "Wo, bitte schön, ist hier der Schneeanteil?" Am Ende haben alle auf Jank gehört. Seit damals nennen sie ihn den Eismeister.

Dies war auch die Zeit, als die Niederländer zum ersten Mal auf den See aufmerksam wurden. Weil die Winter in den Niederlanden zu mild geworden waren für ihre traditionelle Elf-Städte-Tour, ein Marathon-Eislaufrennen über 50, 100 und 200 Kilometer, fanden sie hier eine Alternative zu den Grachten, in denen das Eis nicht mehr trug. Seit 1989 strömen Ende Januar 5000 Urlaubsgäste an den See, um dem Spektakel beizuwohnen. "Die sind völlig eisverrückt."