Theaterkünstler sind, schon aus geringer zeitlicher Entfernung betrachtet, Spukgestalten: Sie verausgaben sich im Augenblick, sie hinterlassen kaum Spuren. Jedoch, der Name Friederike Caroline Neuber sagt uns noch heute etwas, 250 Jahre nach ihrem Tod. Sie war wohl keine geniale Künstlerin, aber eine große Vorbereiterin. Sie war auf eine so energische und ungestüme Weise "zu früh" aufgetaucht, dass ihr ein Platz in der Geschichte sicher ist.

Die Neuberin. Sie war eine deutsche Bühnenkünstlerin, als es bedeutende deutsche Bühnenkunst kaum gab. Sie war eine Theaterleiterin, als Theater von Männern geleitet wurden. Sie schrieb Stücke, mit denen sie Rache nahm an der blöden Männerwirklichkeit. Sie wollte ein bedeutendes, die Menschen verbesserndes Theater, als auf deutschen Bühnen noch die blökenden, furzenden, spuckenden Hanswurste regierten.

Das Prestige des Theatervolks war, gelinde gesagt, miserabel. Man durfte nicht darauf hoffen, einmal innerhalb der Friedhofsmauern die letzte Ruhe zu finden. Man gehörte zum Gesindel; auf der Bühne wurde man begafft und nach der Vorstellung gemieden. In aller Regel mussten die "Komödienbanden", die von Jahrmarkt zu Jahrmarkt, von Messe zu Messe zogen, sich ihre Theaterbretterbude zimmern und sie nach dem Gastspiel wieder abreißen. Man reiste durch die Lande, die Karren beladen mit Requisiten, Garderobe, Büchern, Decken und Geschirr. Die Wege waren schlammig und gefährlich, man teilte sie mit Soldaten, Räubern, Bettlern, Quacksalbern.

Deutschland war nach dem Dreißigjährigen Krieg zersplittert in Hunderte von Staaten, es gab kein alles überstrahlendes Zentrum der Kunst, aber überall entstanden kleine Zentren. Man musste als Schauspieler in Bewegung sein: Immerzu waren Schlagbäume zu passieren und Zollformalitäten zu klären, die Herbergen waren teuer, oft schlief man im Freien. Die "Fahrenden" litten an Erfrierungen, viele erkrankten an Schwindsucht.

Doch das geringe Ansehen der Theaterleute hatte auch mit den Stücken zu tun, die sie spielten. Was auf die Bühne kam, war nachgemachtes Zeug, eine Verwurstung von italienischer und englischer Bühnenkunst, ein Gemisch aus Commedia dell’Arte und Shakespeare, aus Maskenspiel und wüster Tragödie. Nur: Den deutschen Spielern fehlte der tollkühne Augenblicksinstinkt der Italiener; wo in der Commedia der Gewitzteste triumphierte, war es in Deutschland der Schrillste. Und vom englischen Drama blieb auf deutscher Bühne nur die Metzelei: Die Schweinsblase mit dem Ochsenblut gehörte zu den wichtigsten Requisiten. Es gab keinen respektablen Theaterstil und keine guten Theaterstücke. Das änderte sich erst mit Lessing; sein Ruhm, seine Bedeutung aber verdankte er auch ihr, der Neuberin.

Sie war, im Gegensatz zu den meisten "Comoedianten", von bürgerlicher Herkunft. Und ins Herz des Bürgertums wollte sie mit ihrer Kunst zurück. Ein tollkühner, wütender Mut zeichnete sie aus, ihr Handeln hatte etwas von einer Flucht nach vorn, und ihr größter Feind war ihr eigener Vater.

Am 9. März 1697 wird sie in Reichenbach im Vogtland als einziges Kind des Gerichtsinspektors Daniel Weißenborn und seiner Ehefrau Anna Rosine geboren. Schon das kleine Mädchen leidet unter dem Jähzorn des Alten. Als 15-Jährige nimmt sie ein erstes Mal Reißaus. Sie wird für 13 Monate unter Arrest gestellt und muss anschließend zum Vater zurück. Sie hat keine Wahl, denn ihre Mutter starb, als Caroline acht Jahre alt war. 

Als 19-Jährige flieht sie erneut, diesmal mit Johann Neuber, einem Gutsbesitzersohn – nun für immer. Zwei Fluchtwege bleiben einem Mädchen in ihrer Lage: das Kloster und die Bühne. Und Carolines Wahl steht fest. Sie ist eine geborene Komödiantin, eine Frau von unbeugsamem Eigensinn. Johann und Caroline schließen sich der Komödiantengesellschaft von Christian Spiegelberg an, einer der wichtigsten Truppen der Zeit. 1718 heiraten die beiden. Es beginnt ein aufreibendes Wanderleben. Das Paar wechselt zur nächsten Compagnie; man gastiert in Dresden, Hannover, Hamburg, Nürnberg, Frankfurt am Main, Breslau, Braunschweig und Leipzig.

Das deutsche Theater kennt nur Geschrei und Gemetzel

1727 gründen Johann und Caroline in Leipzig die Neubersche Komödiantengesellschaft. Die Wirkung der Truppe in der Theaterwelt ist stark; schon bald gehören ihr 20 der besten Schauspieler an. Johann ist zwar der offizielle Leiter, tatsächlich aber ist Friederike Caroline Neuber die Prinzipalin.

Zu Ostern spielen sie erstmals an jenem Ort, der ihre wichtigste Bühne wird, in Leipzig "auf den Böden über den Fleischbänken", nahe der Börse, also mitten im Messegeschehen. Sie erhält das sächsisch-polnische Komödianten-Privileg, und es beginnt die Zusammenarbeit mit dem jungen Gelehrten und Dichter Johann Christoph Gottsched – eine Partnerschaft, die das deutsche Theater verändern sollte.

Denn beide, der Theoretiker Gottsched und die Praktikerin Caroline Neuber, leiden unter dem Zustand der Schauspielkunst und dem schlechten Geschmack der Zuschauer. Das Derbe und Dreiste geht ihnen gegen den Strich. Beide wollen, indem sie das Theater verbessern, die Menschen erziehen. Für Gottsched liegt alles Heil in der Rückbesinnung auf die antiken Formen – und somit im französischen Klassizismus. Er preist die Werke Racines und Marivaux’ als "geregelt", als vorbildlich in ihrer Gliederung, ihrer Versstruktur, ihrem moralischen Gehalt. Die französische Tragödie "erbauet, indem sie vergnüget, und schicket ihre Zuschauer allezeit klüger, vorsichtiger und standhafter nach Hause". Hingegen das deutsche Theater! Es schickte seine Zuschauer, so könnte man in Gottscheds Diktion weiterschreiben, dümmer, roher, entfesselter nach Haus.

Gottsched verachtet das Stegreifspiel, die Zauber, Opern- und Zirkuseffekte, und die Neuberin teilt seine Verachtung. Er nennt sie eine Frau, "die gewiss in der Vorstellungskunst keiner Französin oder Engelländerin etwas nachgibt". Ihr, so lautet die Vereinbarung, will er mustergültige Stücke, in aller Regel Übersetzungen aus dem Französischen, liefern, und sie wird sie spielen. Entschlossen stellt sie sich gegen den Publikumsgeschmack. Sie entwickelt einen romanisierenden Manierismus: schwere Gebärden, blühende Posen, huldvolle Feier des Textes. Es geht ihr, über das Bühnengeschehen hinaus, auch darum, die Ehrbarkeit des Theaters selbst zu demonstrieren. Die dargestellte edle Welt soll zurückleuchten auf die sich zur Schau stellenden Theaterkünstler. 

Die Aufführung ist nun kein Chaos mehr, sie ist regelhaft, wiederholbar und in gewissem Sinn mechanisch – das Theaterstück als große Uhr. Man begriff, um es mit Robert Gernhardt zu sagen, den Künstler als "Ernstler" und nicht als Possenreißer. Der "reformierte" Komödiant gehorchte den Regeln und hoffte, selbst Regeln zu setzen. In ihrem Entwurf auf was Weise zur Ehre und zum Vortheil der Stadt Hamburg eine wohleingerichtete Comedie unterhalten werden kann schreibt die Neuberin, worauf es ihr ankommt: "Die Comedie ist bemüht den Unterschied der Tugend und der Laster anzuzeigen, und beyder nothwendige Folgen zu entdecken [...]. Eine solche Vorstellung drückt sich mit der Zeit in die Gemüther ein, und macht allmählig ein Volk bescheidner und sittlicher. Die Tragedie gehet noch weiter. Sie erwecket eine Liebe zu der Obrigkeit, eine Hochachtung für die Gesetze, und eine Neigung zu der vernünftigen Freyheit."

Das Theater als moralisch-sittliche Anstalt – dieses deutsche Programm hat also schon die Neuberin formuliert, lange vor Schiller. Sie fährt fort: "Unter den schönen Wissenschaften, welche in Deutschland so hoch gestiegen sind, ist die Schauspielkunst am spätsten aus ihrer Barbarey gegangen [...]. Diese schreckliche Barbarey hat so lange gedauert, bis die Neubersche Gesellschaft, durch den Beystand verschiedener kluger und gelehrter Männer, diese Greuel verworfen, und die Schaubühne von ihrem Unflate zu säubern angefangen."

Man sieht: Die Frau ist eine Meisterin der Eigenwerbung, ein frühes PR-Genie. Immer wieder schreibt und inszeniert sie lehrhafte Vorspiele, in denen die Schauspielkunst gegen die Untugend, die falsche Frömmigkeit, die Unwissenheit sich behaupten muss. Diese Stücke beben vor Selbstgewissheit, sie heißen Die von der Weisheit wider die Unwissenheit beschützte Schauspielkunst oder Die Verehrung der Vollkommenheit durch die gebesserten deutschen Schauspiele, und sie haben eine absehbare Moral; die Schauspielkunst (also die Neuberin) siegt am Ende gegen die niederen Kräfte.

Das Theater als Volksbesserungsinstitut: Diese autoritäre Wurzel findet sich noch immer in Deutschland, selbst wenn das Theater sich heute gern als die Burg des Antiautoritären gebärdet; aber gerade hinter diesen Versuchen spürt man oft die harte Hand des Intendanten. Man ahnt jedenfalls aus der Lektüre ihrer Texte, dass die temperamentvolle Frau Neuber im Innersten ein herrschsüchtiger Charakter gewesen sein mag. Anders hätte sie wohl auch ihre Truppe nicht zusammenhalten und gegen alle Widerstände verteidigen können.

Die Zarin lädt sie nach St. Petersburg ein

Sie war ihr ganzes Theaterleben lang abhängig von Herrschern, von Königen und Herzögen, die ihr Privilegien ausstellten und sie protegierten; sie schrieb unzählige wohlgereimte Bitt- und Lobschriften an mächtige Menschen, oft hatte sie damit Erfolg, aber fast immer war es ein kurzlebiger Erfolg. Es gehörte zum Muster ihrer Karriere, dass Fürsten ihr entschlossen halfen – und dann starben. 1733 starb August der Starke, das Neubersche Theaterprivileg erlosch. Die Truppe verließ Leipzig, und als sie wiederkehrte, hatte ein anderer, der Hanswurst Joseph Ferdinand Müller, sich mit seiner Komödiantenbagage an ihre Stelle gesetzt.

"Gescheucht, verjagt und verstoßen geblieben und bis an das äußerste des Meeres hier her getrieben", kommt sie in Lübeck zur Ruhe. Nun hilft ihr Herzog Ludwig Rudolf von Braunschweig; er öffnet ihr das herzogliche Opernhaus. Alles scheint gut zu werden. Doch dann stirbt der Herzog, und Nachfolger Karl I. interessiert sich nicht fürs Theater.

Die Neuberin will jetzt Hamburg zu ihrem Sitz machen, die mächtige Hafen- und Handelsstadt, die durchreisenden Komödianten eine feste Bühne bietet, die Comoedien Bude. Jedoch, die Hamburger Zuschauer halten sich mit ihrer Gunst zurück. Sie bevorzugen das Hanswursttheater und die Oper. Also folgt man einer Einladung des Herzogs Karl Friedrich von Schleswig-Holstein und reist nach Kiel. Er nimmt die Künstler großzügig auf, alles scheint wunderbar, doch dann stirbt der Herzog. 

Großen Publikumserfolg hat die Neuberin nie. Schon gar nicht in Hamburg, wohin sie ein letztes Mal zurückkehrt. Enttäuscht gibt sie im Jahr 1740 eine Abschiedsvorstellung im Opernhaus am Gänsemarkt – die zugleich eine Hamburg-Vernichtung ist. Alle, die "sehr viel gethan zu meinem Untergang", spricht sie nun nicht im Schutz einer Rolle, sondern unvermittelt an: "Denn von der Schauspielkunst habt ihr sehr wenig Licht, / weils Euch an Zärtlichkeit, Natur und Kunst gebricht."

Sie, die Wohlerzogene, die gebändigte Leidenschaften vorzuführen pflegt, lässt die Maske der Höflichkeit sinken. Der Magistrat entzieht ihr die Spielerlaubnis, und sie kehrt nie wieder nach Hamburg zurück. Die Neuberin leistet sich diese Tollkühnheit nicht ohne Grund. Ihre Zukunft scheint andernorts gesichert: Zarin Anna lädt sie und ihre Truppe an den Hof nach St. Petersburg ein. Mitte März des Jahres 1740 tritt man die beschwerliche Reise an. Sie führt über Danzig, Riga und Reval. Anfang Mai erreicht man die russische Hauptstadt, und der Empfang könnte freundlicher nicht sein; die Deutschen werden gleich zu "Hofschauspielern" befördert.

Indes: Bald stirbt die Zarin, und die deutsche Truppe verliert alle höfische Gunst. Sie verbringt einen eisigen Unglückswinter in St. Petersburg und kehrt im Frühjahr, als endlich das Eis geschmolzen ist, frustriert nach Deutschland zurück.

In Leipzig erhält sie durch Protektion des jungen, kunstsinnigen sächsischen Ministers Heinrich von Brühl einen Ort, an dem sie ein festes Theater eröffnen kann: eine Reitbahn, die zur Schaubühne ausgebaut wird, in Zotens Hof in der Nicolaistraße. Der Erfolg beim Publikum bleibt mäßig, die Schulden wachsen. Die Neuberin kann die städtischen Spielgebühren nicht mehr zahlen, und so löst sie im Jahr 1743 ihre Gesellschaft erstmals auf. Mit Gottsched hat sie sich inzwischen schallend überworfen. Er liefert ihr nicht genügend Stücke, sie nimmt Anstoß an der mangelnden Kraft seiner Texte und weist ein Stück zurück, das Gottscheds Frau übersetzt hat. Es kommt zum Bruch. Die Neuberin reitet öffentlich eine Attacke gegen Gottsched; sie bringt den Mann in ihrem Stück Der allerkostbarste Schatz als Spottfigur auf die Bühne. 

Eine Diplomatin ist sie nicht, und aller Zorn fließt sofort in ihre Kunst. So schreitet sie furchtlos voran, doch man rächt sich an ihr. Ihr Stern beginnt zu sinken. Während ihr Einfluss schon schwindet, verhilft sie einem jungen Genie noch zum frühen Ruhm. Der 18-jährige Lessing sieht ihre Aufführungen in Leipzig. Er übersetzt Stücke für sie, den Hannibal von Marivaux, den Zerstreuten von Regnard. Zur Belohnung darf er umsonst in ihre Vorstellungen.

An der Elbe bei Dresden wird ihr ein Denkmal gesetzt

Er habe, so schreibt Lessing später, von Neubers Theater "hundert wichtige Kleinigkeiten" gelernt. Die Prinzipalin liest sein erstes Stück, Der junge Gelehrte, über den Konflikt zwischen Gelehrsamkeit und Lebenshunger, und Lessing schreibt: "Mit so vielen Verbesserungen unterdessen, als ich nur immer hatte anbringen können, kam mein junger Gelehrter in die Hände der Frau Neuberin. Auch ihr Urteil verlangte ich; aber anstatt des Urteils erwies sie mir die Ehre, die sie sonst einem angehenden Komödienschreiber nicht leicht zu erweisen pflegte: sie ließ ihn aufführen."

Was nun folgt, ist eine bittere Lektion: Die Zeit geht über die Neuberin hinweg. Immer weniger Zuschauer kommen. Aus ehemaligen Schülern werden Konkurrenten, sie überholen sie in der Gunst des Publikums und vertreiben sie von ihren Spielstätten. An Brühl schreibt sie: "Ist also alles nur dahin abgezielet, mich gänzlich zu verderben, und da ich alle mein Vermögen, auch was ich in anderen Ländern verdienet und hierher gebracht, an das Theater-Wesen gewendet habe, mich davon zu jagen, und zur Belohnung vor alle meine sauere Arbeit, so ich an die Comoedianten gewendet, mich an den Bettelstab zu bringen, und da auch das Betteln verboten ist, mich endlich Hungers sterben zu sehen." Auch da wahrt sie noch die Haltung der Bühnenkönigin: Gesehen fühlt sie sich bis ans Ende, noch ihr Untergang wird ein öffentlicher sein, so einsam er auch sein mag. 

1750 löst sie ihre Truppe endgültig auf. Eine Berühmtheit bleibt die Neuberin. 1753 wird sie nach Wien eingeladen, denn der Hof will das Beispiel der "Leipziger Schule" in Wien bekannt machen. Vermutlich wird sie dort bewundert und auch verspottet – als eine Figur aus versunkener Zeit.

1756 fallen die Truppen Friedrichs des Großen in Sachsen ein, Auftakt des Siebenjährigen Kriegs. Nun ist es mit dem Theater ganz vorbei. Komödianten haben auf den Straßen keinen Platz mehr, sie kämen unter die Räder der Kriegsmaschinerie. Das Ehepaar Neuber findet Unterschlupf beim kurfürstlich-königlichen Leibarzt Dr. Löber in Dresden. "Jetzund", schreibt sie an einen Freund, "bin ich die Neuberin und weder Lisgen noch Zayre, / Doch sticht mich noch der junge Geck, das Quodlibet und die Satyre. / Wovon mag doch der Wurm noch leben? Ich geb ihm weder Brod noch Wein, / Und von mir keine Nahrungssäfte, doch schleicht das Ungeziefer ein."

1760 wird Dresden von den Preußen bombardiert, und die Neuberin, mittlerweile verwitwet, flieht ins Dorf Laubegast an der Elbe. Sie stirbt am 29. November 1760, um ein Uhr früh, in der Obhut eines Bauern, der dann auch den Sarg für sie zimmert. Eine Trauerfeier bekommt sie nicht, es ist ja Krieg.

In Laubegast wird ihr 15 Jahre später ein Denkmal gesetzt. Die Inschrift lautet: "Dem verdienten Andenken einer Frau voll männlichen Geistes, der berühmtesten Schauspielerin ihrer Zeit, der Urheberin des guten Geschmacks auf der teutschen Bühne." Ein Denkmal – für eine Schauspielerin!

Im Jahr vor ihrem Tod, sie ist schon verarmt, greift Lessing das Neubersche Theater heftig an, indem er Gottsched angreift: Dieser habe vom Theater niemals einen Dunst gehabt, und seine dogmatische Hinwendung zum "furchtsamen französischen Trauerspiel" sei ein Fehler gewesen, da den Deutschen viel mehr "das Große, das Schreckliche, das Melancholische" der Engländer entspreche.

Vielleicht hatte Lessing recht. Vielleicht war auch der Weg der Friederike Caroline Neuber ein Irr- und Umweg. Aber indem sie ihn ging, fand das deutsche Theater, gar nicht viel später, zu sich selbst.